Wirtschaft : Das bankrotte Russland kann selbst Zinsen nicht mehr bedienen

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Wer die roten Zahlen sieht, in denen Russland steckt, wundert sich, dass sich seine Finanzminister nicht regelmässig aus dem Fenster stürzen. Denn der Staat ist eigentlich bankrott. Insgesamt belaufen sich die Schulden Russlands nach Angaben der Deutschen Bank auf 148 Mrd. Dollar - das sind sowohl die Schulden der Russischen Föderation als auch die der ehemaligen Sowjetunion. Selbst die Zinsen kann Russland nicht mehr bedienen.

Den größten Teil davon - 66,8 Mrd. Dollar - schuldet Russland den so genannten offiziellen Gläubigern, also Staaten, mit denen Russland bilaterale Kredite abgeschlossen hat. Davon allerdings stammen 58 Mrd. Dollar aus der ehemaligen Sowjetunion. Überhaupt machen die Altschulden den größten Teil der Schulden aus (siehe Grafik). Dies zeigt außerdem ein Blick auf die Schulden Russlands gegenüber kommerziellen Gläubigern, also Banken oder Brokerhäusern: Von den 30,2 Mrd. Dollar, die Russland ihnen schuldet, stammen wiederum 29,9 Mrd. Dollar aus der ehemaligen Sowjetunion. Immerhin hat die russische Regierung erreicht, dass sie den größten Teil dieser Altschulden nicht bedienen muss. Darum hat sie jetzt wieder mit den im "Pariser Club" vereinigten Gläubigerländern der ehemaligen Sowjetunion verhandelt, und deswegen bittet sie nun die im "Londoner Club" vereinigten Gläubigerbanken um Erleichterungen.

Aber auch ohne Altschulden sind die Zins- und Tilgungszahlungen zu hoch. Alleine in diesem Jahr belaufen sie sich auf 16,7 Mrd. Dollar, wie Russlandexperte Jürgen Conrad von der Deutschen Bank schätzt. Im russischen Budget seien dafür umgerechnet ungefähr zehn Mrd. Dollar vorgesehen. Doch auch das sei eine Farce. Denn das russische Budget belaufe sich insgesamt auf rund 16,8 Mrd. Dollar. Und davon müssten die Russen auch Krankenhäuser, Rentner und neue Panzer bezahlen. Kaum möglich sei, dass das Land seine Schulden bezahlen könne - Conrad geht von weit weniger als der Hälfte aus. Angesichts dieser Finanzmisere ist der IWF dazu übergegangen, Kredite zu verleihen, mit denen Russland lediglich seine Zins- und Tilgungszahlungen gegenüber dem IWF bedienen kann. Die Schulden der Russen gegenüber internationalen Organisationen machen 25,5 Mrd. Dollar aus - davon hat der IWF 18,9 Mrd. Dollar verliehen.

Nicht alle können warten. Falls Russland gewisse Schulden nicht bedient, ist die finanzielle Katastrofe noch größer. So verhält es sich mit jenen Bonds, die Russland in der Vergangenheit aufgelegt hat. Bonds sind Papiere, die Banken wie die Deutsche Bank oder Brokerhäuser wie Goldman Sachs für Russland auf die Finanzmärkte gebracht haben. Nach Berechnungen der Deutschen Bank haben die Russische Föderation sowie die ehemalige Sowjetunion Papiere im Umfang von 15,9 Mrd. Dollar emittieren lassen - dafür muss Russland in diesem Jahr 1,7 Mrd. Dollar zurückzahlen.

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