Wirtschaft : Das Berliner Handwerk gibt sich optimistisch

SUSANN SCHMIDTKE

BERLIN ."Wir hoffen künftig mehr Arbeitsplätze schaffen zu können", sagt der Sprecher des Berliner Kfz-Gerwerbes, Anselm Lotz.Doch momentan seien viele Betriebe froh, daß sie die Beschäftigtenzahlen überhaupt konstant halten könnten.Da das Reperaturgeschäft eher rückläufig sei, halten die Betriebe ihre Mitarbeiter, indem sie diese für andere Aufgaben etwa im Servicebereich qualifizierten.Die Kfz-Werktstätten setzten zunehmend Schwerpunkte im Kundenservice und wollten dabei auch mehr Leistungen kostenfrei anbieten, sagt Lotz.Beispielsweise werde der Einbau von Zubehörteilen und die Reinigung von Fahrzeugen immer wichtiger.Die Mehrzahl der Kfz-Betriebe wolle auch weiterhin die Zahl der Ausbildungsplätze auf dem gegenwärtigen Niveau halten.

"Bei den Handwerksbetrieben macht sich zur Zeit gedämpfter Optimismus breit", beschreibt der Geschäftsführer der Berliner Handwerkskammer, Bernd Babel, die Lage.Es sei seit einigen Quartalen gelungen, die Beschäftigungszahlen bei vielen Gewerken konstant zu halten.Bei den Ausbildungsplätzen habe man 1998 sogar eine Steigerung von etwa einem Prozent erreicht.Anzeichen für eine entscheidende Verbesserung der Situation sieht Babel indes nicht.In vielen Bereichen leide das Handwerk noch immer unter der Steuer- und Abgabenlast.Zudem bekämen gerade Betriebe aus den verbrauchernahen Branchen, wie Fleischer, Friseure oder Schneider die schwache private Nachfrage zu spüren."Das Geld sitzt immer noch nicht locker in den Taschen", so Babel.Der Bestand an Handwerksbetrieben hat sich in der Stadt nach Angaben der Kammer im letzten Jahr um 161 Betriebe verringert.Es sei schwer, die damit verloren gegangenen Arbeitsplätze durch die Neugründung handwerksähnlichen Betriebe - beispielweise von Firmen zum Einbau von genormten Baufertigteilen, Kosmetikerinen, Bestattungsunternehmen oder Änderungsschneidereien - auszugleichen.Im Dienstleistungsgewerbe rechnen nach Auskunft der Handwerkskammer 71 Prozent der Betriebe mit einer gleichbleibenden Auftragslage in diesem Jahr.Für Ortwin Semmeroh, Sprecher der Gebäudereiniger, hängt die künftige Entwicklung der Beschäftigungslage in seiner Branche aber stark von der Einführung des neuen 630-DM-Gesetzes ab.

Da die öffentlichen Haushalte zunehmend sparten, sei ein immer größerer Anteil der Reinigungsbetriebe auf private Aufträge angewiesen.In diesen Firmen seien jedoch die meisten Kräfte versicherungsfrei beschäftigt.Die Pauschalsteuer werde in der Regel auf die Arbeitnehmer abgewälzt, daher stelle eine Versicherungspflicht für diese Firmen eine Mehrbelastung dar."Im Einzelfall kann das auch durchaus zu Entlassungen führen", so Semmeroh.Positive Beschäftigungsimpulse erwarten die Gebäudereiniger vom Regierungsumzug.

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