• Das Berliner Unternehmen hat schwer zu kämpfen - auch im Jahr 2000 soll es keine schwarzen Zahlen geben

Wirtschaft : Das Berliner Unternehmen hat schwer zu kämpfen - auch im Jahr 2000 soll es keine schwarzen Zahlen geben

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Werner Eisenhardt, neuer Vorstandsvorsitzender der Herlitz AG, Berlin, hat erste, schmerzliche Maßnahmen eingeleitet. Der Papier-, Büro- und Schreibwarenhersteller und -verkäufer wird im Jahresabschluss 1999 weitere Rückstellungen für Restrukturierungen in Höhe von 40 Millionen Mark bilden. Bereits 1998 hatte Herlitz 30 Millionen zurückgestellt, die größtenteils bereits verbraucht sind. Diese hohen Rückstellungen seien zwingend erforderlich, so Eisenhardt in einer Mitteilung vom Freitag, um für die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen entsprechende Vorsorge treffen zu können. Das gesamte Restrukturierungsprogramm werde von den rund 14 bei Herlitz engagierten Banken mitgetragen, stellte Eisenhardt fest. Bei Herlitz will man mit Hilfe der Restrukturierung nun jährlich rund 100 Millionen Mark kosten sparen.

Fünf Standorte werden geschlossen

Kern des neuen Plans ist die Schließung von insgesamt fünf Standorten (Schwetzingen, Bad Schönborn, Pforzheim, Bargteheide und Salzburg) und damit einhergehend ein weiterer Personalabbau um 550 Mitarbeiter auf dann 3600. Für den Standort Berlin/Brandenburg bedeutet dies, dass die Mitarbeiterzahl von 1500 Personen Ende 1998 auf etwa 1350 sinkt. Allerdings sind in der neuen Zahl etwa 90 Arbeitsplätze enthalten, die aus Süddeutschland nach Berlin/Brandenburg verlagert werden. Dementsprechend ist ein Teil der nun gebildeten Rückstellungen für Sozialpläne vorgesehen. Mittel würden aber auch für die Optimierung der Produktion gebraucht.

Das Ergebnis von Herlitz werde durch diese neuen Maßnahmen naturgemäß belastet, so Finanzvorstand Martin Kleinschmitt. Die außerordentlichen Erträge aus dem Verkauf der Tochter Herlitz Falkenhöh im vergangenen Jahr, die Kleinschmitt mit einen "zweistelligen Millionentrag aber unter 50 bezifferte", reichten nicht aus, um die Sonderbelastungen im Jahresabschluss auszugleichen. Herlitz werde daher für 1999 voraussichtlich einen höheren Verlust ausweisen als im Vorjahr, sagte Kleinschmitt weiter. Genaue Zahlen nannte er nicht. 1998 hatte Herlitz einen Verlust vor Steuern in Höhe von 68 Millionen Mark ausgewiesen.

Zusätzlich belastet werde das Ergebnis noch durch Steuernachzahlungen für das Jahr 1993, laufende Steueraufwendungen und steuerliche Effekte aus dem Verkauf der Herlitz Falkenhöh in Höhe von insgesamt 18 Millionen Mark. Dies werde sich negativauf den Jahresverlust nach Steuern auswirken, der im Vorjahr bei 73 Millionen Mark lag. Wenig Hoffnung macht Kleinschmitt auch für das laufende Jahr. Zwar werde auf Grund des neuen Restrukturierungskonzepts im zweiten Halbjahr 2000 ein positives Ergebnis erreicht werden, für das Gesamtjahr sei aber noch nicht mit schwarzen Zahlen zu rechnen.

Frank Geilfuß, Analyst beim Bankhaus Löbbecke, äußerte sich abwartend zu den angekündigten Maßnahmen von Herlitz. In den vergangenen Jahren sei man immer wieder enttäuscht worden. Herlitz habe Unternehmensteile verkauft, man habe neue Vorstände und viele Programme gesehen, viel geholfen habe dies aber alles nicht. Die entscheidenden Fehler, so Geilfuß, wurden Anfang der neunziger Jahre gemacht, als Herlitz in immer weitere Geschäftsfelder diversifizierte. Damals noch europäischer Marktführer im Papierbereich, sei viel Geld investiert und schlussendlich viel Lehrgeld bezahlt worden. Ob Herlitz wie angekündigt, schon im zweiten Halbjahr 2000 ein positives Ergebnis erreiche, hänge wesentlich von außerordentlichen Erträgen ab. Das heiße aber noch lange nicht, dass auch im operativen Geschäft schwarze Zahlen geschrieben würden. Investitionen in die Aktien kann Geilfuß derzeit keinem Anleger raten. Die Stämme wie die Vorzüge verloren am Freitag zwischenzeitlich fast zehn Prozent und "es ist noch nicht sicher, ob wir nicht noch das 12-Monats-Tief, das bei 12 Euro lag, sehen", so Geilfuß, der allerdings auch keinem Investor rät, seine Aktien jetzt zu verkaufen. "Dies hätte er schon viel früher tun müssen."

Wenig Interesse an den Aktien

Bei der BHF-Bank muss Kai Franke, Leiter des Research Privatkunden in Berlin weit ins Archiv zurückblicken. Das Bankhaus hat, ähnlich wie fast alle anderen Institute und Analysten den Berliner Wert schon lange nicht mehr so genau verfolgt. Die letzte Empfehlung stammte aus dem April 1998, und lautete "Verkaufen". Franke will deshalb auch keine Einschätzung des Werts abgeben, verweist aber auf den sehr engen Markt. Sowohl die Vorzüge als auch die Stämme sind zwar im Smax, am Freitag gingen aber nur 7000 beziehungsweise 8500 um. Laut Franke sind nur noch Investoren in den Papieren engagiert, die sehr mutig seien und auf einen Turn around bei Herlitz hofften. Dieser sei durch die Mitteilung nun weiter nach hinten verschoben.

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