Wirtschaft : Das Biergeschäft erfordert besonderen Einsatz

Verstynen bringt den Brau- und Brunnen-Konzern wieder auf Kurs / Hart umkämpfter Bier-Markt DÜSSELDORF (kv/HB).Der Turnaround beim Getränkeriesen Brau und Brunnen scheint gelungen.Vorstandschef Rainer Verstynen drängt allerdings weiter auf Tempo, um eine dauerhafte Gesundung sicherzustellen.1998 soll das "Jahr der Bewährung" sein."Wir sind auf gutem Kurs das Ziel ist aber noch nicht erreicht." Verstynen, seit Mitte 1997 amtierender Vorstandsvorsitzender der im Jahr zuvor in arge Bedrängnis geratenen Brau und Brunnen AG, Dortmund, verbreitet Zuversicht, gesteht aber zugleich zu, daß die Wegstrecke in Teilbereichen zunächst holprig bleibt: "Weitere Erfolge sind zwar programmiert.Sie dürften sich aber nur erzielen lassen, wenn das eingeschlagene enorme Tempo beibehalten werden kann."Das bisher Erreichte kann sich durchaus sehen lassen.Mußte Verstynens glückloser Vorgänger Friedrich Ebeling für 1996 noch für einen operativen Konzernverlust von 116 Mill.DM und für einen durch außerordentliche Aufwendungen erhöhten Jahresfehlbetrag von 229 Mill.DM geradestehen, so kann Verstynen für 1997 ein operatives Ergebnis von rund einer Mill.DM vorweisen.Es setzt sich, wie Verstynen gegenüber dem Handelsblatt erläuterte, zusammen aus Verlusten von etwa 30 Mill.DM im Biergeschäft und von 10 Mill.DM bei den Immobilien sowie aus Gewinnen von rund 40 Mill.DM bei den alkoholfreien Getränken.Aus außerordentlichen Erträgen, insbesondere bei den Immobilien, resultiert ein Bilanzgewinn von rund 50 Mill.DM, der den Rücklagen zugeführt werden soll.Das operative Ergebnis soll im laufenden Jahr bei rund 20 Mill.DM und im kommenden Jahr bei etwa 40 Mill.DM liegen.Für das Geschäftsjahr 1999 sollen die Aktionäre dann endlich wieder eine Dividende erhalten.Insgesamt sei es gelungen, die Lücke im Eigenkapital wieder voll aufzufüllen.Bei 225 Mill.DM gezeichnetem Kapital hatten die Eigenmittel Ende 1996 lediglich 160 Mill.DM erreicht.Durch den Mittelzufluß von rund 150 Mill.DM aus der Veräußerung des ehemaligen Geländes der Schultheiss-Brauerei in Berlin-Kreuzberg, dem Verkauf der Hamburger Produktionsstätte und weiterem Immobilienverkauf können die Bankschulden kräftig gedroselt werden.Von rund einer Mrd.DM sanken sie bis Ende 1997 auf 461 Mill.DM.Im laufenden Jahr will sie Verstynen auf deutlich unter 300 Mill.DM drüêken."Wenn wir das schaffen, dann liegt die Zinsbelastung nur noch bei gut 15 Mill.DM.Das sind 60 Mill.DM weniger als in den schlechtesten Zeiten."Doch sein Ehrgeiz geht noch weiter.In drei Jahren sollen die Verbindlichkeiten nur noch 150 Mill.DM betragen.Damit wären sie deutlich niedriger als das Grundkapital.Verstynen läßt allerdings erkennen, daß bis dahin noch erhebliche Arbeit geleistet werden muß.Insbesondere die wiedergewonnene Motivation der Mitarbeiter muß auf eine dauerhafte Basis gestellt werden: "Nur wenn wir bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln und die vielfältgen Herausforderungen anzunehmen, können wir Boden gutmachen und vor allem sichere Arbeitsplätze erhalten."Insbesondere das Biergeschäft "erfordert außergewöhnlichen Einsatz".Der Brau-und-Brunnen-Chef verhehlt nicht, daß er auch weiterhin Druck ausüben muß: "Das ist hier gar nicht gemütlich.Wer nicht mithält, fällt vom Karussell." Mit dem Rückgang von 4,4 Prozent auf 9,1 Mill.Hektoliter Bierausstoß im letzten Jahr kann Verstynen nicht zufrieden sein.Immerhin verminderte sich der Bierabsatz in Deutschland insgesamt lediglich um 0,2 Prozent.Verstynen setzt innerhalb der Vielfalt der Konzernbiere nur noch auf wenige Marken, nämlich auf sieben sogenannte A-Marken.Auf sie allein wird sich der Etat für Werbung, Sponsoring und Verkaufsförderung von 140 (107) Mill.DM im laufenden Jahr konzentrieren.Dabei sollen die anderen Marken durchaus nicht untergehen.Auswirken werde sich die Werbepower frühestens in der zweiten Jahreshälfte.Auf die A-Marken entfielen bereits 1997 62 Prozent des gesamten Bierabsatzes.Im laufenden Jahr sollen es 68 und in den nächsten drei Jahren 75 Prozent werden.Vorgesehen ist allerdings, den Kreis der A-Marken zu erweitern.So sollen sämtliche Kölsch-Marken in diese Runde aufgenommen werden.Bisher war es lediglich Gilden-Kölsch.Sowohl für den Kölschmarkt, wo Brau und Brunnen Marktführer ist, als auch für den Düsseldorfer Raum, wo Schlösser Alt zu den A-Marken gehört, kündigt Verstynen strategische Allianzen an.Sie sollen in erster Linie zur besseren Auslastung der Braustätten dienen.Die erweiterten A-Marken kamen 1997 bereits insgesamt auf einen Ausstoß von 6,25 Mill.Hektolitern.Verstynens Vorhaben ist es, dieses Sortiment auf 8,1 Mill.Hektroliter zu bringen.Einen genauen Zeitpunkt will er dabei nicht festlegen: "Die Leute wissen auch so, wohin es geht."Nach dem Verkauf der Bavaria-St.Pauli Brauerei in Hamburg wird der Konzern 1998 rund 700000 Hektoliter Volumen verlieren.Verstynens "Vision" ist es, in den nächsten drei bis fünf Jahren wieder auf rund neun Mill.Hektoliter zu kommen.Die A-Marken würden dann bei dem angestrebten Absatz bereits auf einen Anteil von 80 bis 90 Prozent kommen."Wenn wir das erreichen, dann hätten wir alle eine verdammt guten Job gemacht", so der Vorstandsvorsitzende.

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