Wirtschaft : Das Bio-Abenteuer

Die Nachfrage nach Ökowaren steigt. Trotzdem stellen nur wenige Landwirte ihre Produktion um

Frederic Spohr

Die Biokuh ist deutlich anspruchsvoller als die gewöhnliche Industriekuh. Hans-Günther Hartmann, Landwirtschaftschef bei den Hoffnungstaler Anstalten in Bernau, stellt das vor große Herausforderungen. Seit Juli wandeln sich die Hoffnungstaler Anstalten mit etwa 200 Milchkühen zum Biobetrieb um. Zwar sind die Anstalten auch eine karitative Einrichtung, die Arbeitsplätze für Behinderte schaffen will, doch die schwarze Null muss trotzdem stehen. Vor allem finanziell ist die Umstellung ein schwieriges Projekt: „Für die kommenden zwei Jahre rechne ich mit einer großen Durststrecke“, sagt Hartmann.

Hartmann gehört zu den wenigen Bauern, die die Umstellung zum Ökohof wagen. Wegen der hohen Investitionskosten schrecken viele deutsche Landwirte davor zurück. 2006 erreichte die Zuwachsrate mit nur 2,3 Prozent einen Tiefpunkt. Seitdem steigt sie wieder leicht. Doch die Nachfrage der Verbraucher nach Bioprodukten wächst deutlich stärker als das Angebot der heimischen Produzenten. Über ein Drittel der Bioware stammt mittlerweile aus dem Ausland.

Hartmann hat bei der Umstellung einen Vorteil: „Für Milchproduzenten ist der Weg deutlich einfacher als für Fleischproduzenten“, sagt Thomas Dosch, Präsident des Ökobauern-Verbands Bioland. Denn Fleischproduzenten müssten sich oft einen neuen Stall leisten, bei Milchbauern sei dies seltener der Fall. Auch Hartmann sagt, wenn er einen hätte bauen müssen, wäre er das Projekt nicht angegangen. Auf die Öko-Idee kam der Landwirt, weil er eine eigene Molkerei aufmachen wollte. Marktforschung ergab allerdings, dass diese sich nur rechnet, wenn er ausschließlich Biomilch anbietet.

Also begann er das Abenteuer und muss jetzt investieren: Weil Hartmann keine chemischen Unkrautmittel mehr einsetzen darf, muss er mit teuren Maschinen das Unkraut entfernen. Außerdem darf der Landwirt kein günstiges Sojaschrot mehr verfüttern. „Und die Preise für Biofuttermittel sind exorbitant hoch“, sagt Hartmann. Zusätzlich wird der Ertrag seiner Felder sinken, ohne dass er einen höheren Preis für das Getreide verlangen kann. Denn erst nachdem Hartmann die Flächen zwei Jahre ökologisch bewirtschaftet hat, kann er das Getreide zum höheren Biopreis anbieten.

Damit sich alle Investitionen lohnen, muss Hartmann seine Milch deutlich teurer verkaufen. Derzeit erzielt er einen Preis von 33 Cent, in zwei Jahren will er dann um 50 Cent verlangen. Außerdem ist eine Biokuh nicht nur anspruchsvoller, sondern produziert auch weniger. Statt auf 8500 Liter Milch wie eine konventionelle Kollegin kommt eine Biokuh nur auf etwa 7000 Liter.

Seit September gibt es noch einen weiteren Biobauern – allerdings produziert auch er nur im Ausland: Von seiner Finca auf Mallorca will Musiker Peter Maffay ab kommendem Jahr Ökoprodukte nach Deutschland liefern. Frederic Spohr

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