Wirtschaft : Das bisschen Haushalt

Moritz Honert

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Mein schlechtes Gewissen kann singen. Und es ist Schlagerfan. Betrete ich meine Wohnung, trällert in meinem Kopf eine anklagende Stimme: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann. Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein...“ Da meine Freundin allerdings nicht bei mir wohnt und selbst dann auf derartige Sprüche ein wenig allergisch reagieren würde, bin ich gezwungen, meinen Haushalt selbst zu schmeißen – mit begrenztem Erfolg. Denn schnell kam ich dahinter, dass Aufräumen und Saubermachen weit mehr Arbeit verlangen, als landläufig angenommen. Im Klartext: Bei mir sieht es stets aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, und es ist mir ein Rätsel, wie andere Menschen Job, Freizeit und Hausarbeit unter einen Hut kriegen. Folglich bin ich dankbar für jede Hilfe, die sich bietet, um das Chaos in den Griff zu bekommen.

Diese verspricht der „AEG Rapido Cyclonic 12V“, ein Handstaubsauger der neuesten Generation. Das Design: stromlinienförmig, klinisch, futuristisch. Kostenfaktor: stolze 89,90 Euro. Aufrecht steht er in seiner Ladestation, majestätisch wie ein Raumschiff auf einer Startrampe. Eine Kollegin fühlte sich bei diesem Anblick an das Hotel Burj Al Arab in Dubai erinnert, ein anderer Kollege glaubte eine esoterische „Anti-Depressions-Lampe“ zu sehen. Vermutlich, weil die tiefblau leuchtende Ladeanzeige dem Licht einer Lavalampe nicht unähnlich ist. An diesem kann sich der Putzwillige eine ganze Weile ergötzen. Vor der Hausarbeit hat der Herrgott nämlich die Ladezeit gesetzt. Volle 16 Stunden soll die Maschine ans Netz, bevor sie zum Einsatz gebracht werden kann. 20 Minuten läuft sie dann. Wohl dem, dessen Gewissen durch einen Ökostromvertrag beruhigt ist.

Dann ans Werk. Die anfängliche Freude am punktgenauen Saugen verfliegt allerdings schnell. So widerstandslos der Sauger mit seinen neben der Saugöffnung montierten Rädchen über die zu reinigende Oberfläche gleitet, so mager entpuppt sich die Leistung. Salz- und Brotkrümel schafft der mit seinen 1,57 Kilogramm recht wuchtige Apparat mühelos, doch bereits bei Parmesanbröseln auf dem Herd macht er schlapp. Steckt man ihn in einen Aschenbecher und drückt die Starttaste, bleiben Reste, und auch vor den Fußmatten im Auto streckt der „schnelle Wirbelsturm“ die Waffen. Das größte Manko ist allerdings die Tatsache, dass die Maschine den Dreck, den sie aufgesaugt hat, wieder ausspuckt. Hält man den Rapido mit der Saugdüse nach unten, rieseln Krümel und Fußmatteninhalt zurück auf die Erde.

Nach drei Tagen Testeinsatz steht die Maschine deshalb nur noch auf der Ladestation. Von dort sendet sie ihr beruhigendes Licht aus, das entspannt, wenn das schlechte Gewissen angesichts des Chaos wieder zu singen anhebt.

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