Wirtschaft : Das böse Ü-Wort

Ferdinand Piëch will die MAN-Übernahme durch Scania. Der deutsche Lkw-Bauer gibt sich selbstbewusst

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Glänzende Zahlen. MAN hat die Krise hinter sich, doch die Zukunft ist ungewiss. Foto:dpa
Glänzende Zahlen. MAN hat die Krise hinter sich, doch die Zukunft ist ungewiss. Foto:dpaFoto: dpa

München - Das Wort hat einen schlechten Beigeschmack, deshalb wird es auf der MAN-Jahrespressekonferenz sorgfältig vermieden. Von einer Übernahme des deutschen Lkw- und Motorenherstellers durch den deutlich kleineren Konkurrenten Scania aus Schweden ist nicht die Rede. Stattdessen spricht MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen über eine Kooperation, die künftig zum Zusammenschluss der beiden Firmen führen soll. Dieses neue Unternehmen wäre dann im Lkw-Bereich ein „European Champion“.

MAN bemüht sich, mit neuen Geschäftszahlen ein „Partner auf Augenhöhe“ zu sein, wie es in dem knapp 48 000 Mitarbeiter zählenden Konzern heißt. Die Daten sind gut: 15,1 Milliarden Euro wurden 2010 als Auftragseingang verzeichnet, das sind 53 Prozent mehr als im Vorjahr, der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 14,7 Milliarden. Insgesamt gab es 722 Millionen Euro Gewinn, den Aktionären sollen zwei Euro Dividende je Aktie ausgezahlt werden. Die Krise ist überwunden.

Sorge vor der Übernahme der 253 Jahre alten Traditionsfirma wurde in den vergangenen Wochen von mehreren Seiten geäußert: Die CSU-Landtagsfraktion etwa „macht mobil gegen eine Übernahme des bayerischen Dax-Konzerns MAN“. Es dürfe „keine Zerschlagung des Konzerns in verschiedene Bereiche geben“, auch müssten Standorte und Arbeitsplätze in Bayern erhalten bleiben. Ähnlich sieht es die IG Metall, die darauf verweist, dass MAN eine „sehr selbstbewusste Belegschaft“ habe. Die MAN-Führung widerspricht nicht. Voraussetzung für das Zusammengehen, an dem schon intensiv gearbeitet wird, sei der „volle Erhalt“ von MAN, sagte Pachta-Reyhofen.

Im Hintergrund zieht wie so oft Ferdinand Piëch die Strippen, Aufsichtsratschef und mächtigster Mann im VW-Konzern. VW ist Großaktionär bei Scania und an MAN beteiligt. Piëch, so wird vermutet, hat verhindert, dass MAN sich im Herbst 2006 Scania einverleibte. Nun möchte der 74-Jährige wohl einen weiteren Schritt in Richtung seines Zieles gehen, den weltweit größten Fahrzeugkonzern zu schmieden. Er nimmt den Umweg über Scania, um MAN zu schlucken.

Allerdings tauchen Stolpersteine auf – etwa die ungewisse Zukunft des Industriedienstleisters Ferrostaal. MAN hatte sein einstiges Tochterunternehmen Anfang 2009 zu 70 Prozent an den Ipic-Konzern in Abu Dhabi verkauft. Dann gab es Korruptionsermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ferrostaal, Auslandsgeschäfte sollen mit Schmiergeld angeschoben worden sein. Ipic übernimmt nun die weiteren 30 Prozent nicht und möchte Ferrostaal offenbar wieder an MAN zurückgeben. So lange dies nicht geregelt ist, kann es nicht zur Fusion kommen, sagte Pachta-Reyhofen. Deshalb wurden schon die Termine für die Vorlage der Jahreszahlen als auch für die Aktionärsversammlung verlegt, eine Einigung steht weiter aus. Derzeit läuft ein Schiedsverfahren zwischen MAN und Ipic.

MAN steht ein turbulentes Jahr bevor. Im Gegensatz zu den Geschehnissen von 2009 sei „Aufbruchstimmung“ zu spüren, sagte Pachta-Reyhofen. Damals war die Korruptionsaffäre aufgedeckt worden – in verschiedenen Ländern wurden Geschäftspartner und Staatschefs bestochen, um an Aufträge zu gelangen. Hakan Samuelsson trat als MAN-Chef zurück. Er soll den kompletten Schaden begleichen: 237 Millionen Euro. Auch diese Forderung hat, so wird spekuliert, Ferdinand Piëch durchgesetzt. Patrick Guyton

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