Wirtschaft : Das Dilemma der Euro-Notenbanker

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Von Carsten Brönstrup

Es ist eine knifflige Situation, in der die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr NochPräsident Wim Duisenberg stecken: Endlich, nach drei Jahren Wachstumsflaute, mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur auf dem Kontinent, der Export zieht wieder deutlich an. Doch zur gleichen Zeit verliert der amerikanische Dollar im Vergleich zum Euro massiv an Wert – und das könnte die europäischen Waren auf dem Weltmarkt so teuer machen, dass der Export sogar zu einer Gefahr für den ersehnten Aufschwung werden könnte.

Normalerweise könnte eine Notenbank – bei gleichzeitig niedriger Inflation – in einem solchen Fall die Zinsen senken und so die eigene Währung billiger machen. Doch diesen Weg hat sich die EZB verbaut, indem sie sich darauf festgelegt hat, die Leitzinsen vorerst nicht weiter senken zu wollen. In seiner Not will es Duisenberg nun offenbar mit Devisenmarkt-Interventionen probieren, obwohl solche Eingriffe gegen den Markttrend nur in den allerseltensten Fällen funktioniert haben.

Auf Hilfe von außen kann die EZB nicht hoffen. Die Amerikaner finden es prima, dass ihre Währung billiger wird. Das hilft der US-Exportwirtschaft – und damit der amerikanischen Konjunktur. Zumal weder die massiven Zinssenkungen der US-Zentralbank Fed noch die milliardenschweren Steuersenkungsprogramme die Wirtschaft bislang auf einen stabilen Aufwärtspfad gebracht haben. Da kommt ein schwächerer Greenback als Hilfe gerade recht – auch wenn die Wirtschaftsblöcke Europa und auch Asien darunter leiden. Die anstehende Präsidentschaftswahl mit guten Wirtschaftsdaten zu gewinnen, ist wichtiger.

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