Wirtschaft : Das DIW möchte Weltklasse werden

Institutschef Zimmermann fürchtet um staatliche Zuschüsse / Kommission prüft Qualität der Forschung

Carsten Brönstrup

Berlin - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin strebt an, zu den international besten ökonomischen Forschungseinrichtungen aufzuschließen. „Das DIW soll zu einem ähnlich renommierten Think Tank wie das Brookings Institute in den USA werden“, sagte der Präsident Klaus Zimmermann am Mittwoch in Berlin. Die momentane Unruhe in seinem Haus sieht er als Folge des Neuausrichtung der letzten Jahre. Die hält er aber für unumgänglich. „Mittelfristig könnten die sechs wirtschaftswissenschaftlichen Institute unter höheren Druck von Seiten der Politik geraten. Wer dann keine Leistungen vorweist, dem könnten die Zuschüsse gestrichen werden“, warnte er.

Damit nahm Zimmermann erstmals zu den Querelen in seinem Haus Stellung. Begonnen hatten sie mit der Entscheidung des DIW, sich zum Jahresende von Konjunkturchef Gustav Horn zu trennen. Er gehört zu den wenigen prominenten keynesianisch orientierten Ökonomen. Andere Forscher und auch die Gewerkschaften werfen Zimmermann seither vor, er wolle die akademische Meinungsfreiheit beschneiden und die Ausrichtung des Instituts ändern. Der Streit kommt für das DIW zur Unzeit. Denn Ende Oktober wird eine Kommission die Qualität der Forschung im DIW prüfen und über die Zukunft der öffentlichen Förderung befinden. Das Haus ist mit 200 Mitarbeitern das größte Wirtschaftsinstitut im Land.

Zu der Personalie Horn wollte sich Zimmermann nur indirekt äußern. „Um das Institut zu modernisieren, umzubauen und international konkurrenzfähig zu machen, sind auch die richtigen Köpfe nötig.“ Zwar werde das DIW in der Öffentlichkeit wahrgenommen wie kaum ein anderes Institut. Jedoch sei man in puncto Forschung „noch nicht auf dem Stand, den wir erreichen wollen“. Die keynesianisch orientierte Haltung, die auf eine Konjunkturbeeinflussung durch den Staat setzt, werde aber beibehalten. Wichtig sei dabei die Präsenz in der Fachpresse. „Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sind für das DIW überlebenswichtig“, erklärte Zimmermann. Darunter leide die Gutachtertätigkeit für externe Auftraggeber aber nicht. 40 Prozent des DIW-Etats von 19 Millionen Euro kämen durch solche Expertisen zustande. Zimmermann verknüpft seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 die Leitung der sieben DIW-Abteilungen jeweils mit einer Universitätsprofessur. Einige Bereiche wurden zudem umstrukturiert und die Chefs der Abteilungen ausgetauscht.

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