Wirtschaft : Das DIW sieht die Konjunktur in der Krise

BERLIN (jhw).Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin bleibt skeptisch.Die Ökonomen stellen ihren am Mittwoch veröffentlichten Bericht unter die Schlagzeile: "Gesamtwirtschaftliche Produktion stagniert." In ihrem Fazit schreiben die Wissenschaftler, eine weiter aufwärtsgerichtete wirtschaftliche Entwicklung sei nicht zu erwarten.Schon im Verlauf des ersten Halbjahres habe die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland spürbar an Schwung verloren, stellen die Forscher unter DIW-Abteilungsleiter Heiner Flassbeck fest.

Die Schlußfolgerungen von Flassbeck decken sich nicht unbedingt mit den Zahlen, die seine Abteilung auf 14 Seiten detailliert aufzählt.Denn eigentlich enthält der aktuelle Bericht eine Reihe positiver Fakten

Der Aufschwung setzt sich fort: Im dritten Quartal erwartet das DIW ein Plus der Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent.Diese Rate entspricht auch der Aufschwungsrate des gesamten Jahres.

Im Mai und Juni erhielt die Industrie mehr Aufträge aus dem Ausland als in den Vergleichsmonaten November und Dezember des vorigen Jahres.

Die Ausrüstungsinvestitionen - die Betriebe in ihren Maschinenpark stecken - werden weiter expandieren.

Auch die Bautätigkeit nimmt zu, wie die Auftragseingänge vermuten lassen.

Zudem werden sich die Realeinkommen der privaten Haushalte - das Geld, das nach der Preissteigerung in der Familienkasse übrig bleibt - erhöhen, weil die Preise nicht mehr steigen.

Aber statt einer Erfolgsstudie entwerfen die Berliner Wirtschaftsforscher ein negatives Szenario.Die Konjunktur gerät demnach in die Krise

Der Aufschwung fällt niedriger aus als erwartet: Ende Juni hatte das DIW noch ein Plus von 2,6 Prozent vorhergesagt.

Das Tempo der Zunahme bei den Auslandsorders halbierte sich: Die Aufträge legten also zu, aber weniger als früher.

Trotz der positiven Entwicklung der Ausrüstungsinvestitonen läßt eine kaum erhöhte Auslastung der Kapazität Negatives erahnen - das Tempo der Zunahme der Ausrüstungsinvesititonen könnte künftig geringer werden.

Die Zunahme der Bautätigkeit ist bloß eine Normalisierung, weil der Einbruch von April bis Juni besonders stark ausfiel.

Die Haushalte sind nicht konsumfreudig genug, um die abschwächende Auslandsnachfrage auszugleichen.

DIW-Forscher Flassbeck weist den Vorwurf der negativen Interpretation zurück.Er betrachte das Tempo des Wachstums, weil die Volkswirtschaft noch nicht in einer Rezession stecke."Ein positives Wachstum allein reicht nicht, wir brauchen ein positives Wachstumstempo." Gerade im Hinblick auf eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt reiche allein die schwächere Steigerung der Wirtschaftsleistung nicht aus.

Deshalb betrachtet das Institut auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit recht pessimistisch.In Ostdeutschland sei die Zahl der Beschäftigten weiter gesunken.Zudem sei die Arbeitslosigkeit unerwartet hoch: Eigentlich habe das DIW angesichts der Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik in den neuen Ländern mit einem größeren Rückgang gerechnet.

Unterdessen hat das Münchener Ifo-Institut seinen Geschäftsklima-Index für den Juli veröffentlicht: Der Index hat sich im Juli nicht verändert.Sein hoher Stand zeige aber, daß die Wirtschaft in guter Verfassung sei, sagten Volkswirte.Allerdings könnten die Rußlandkrise und die nachlassende Konjunktur in den USA die Geschäftsaussichten trüben.

Das DIW betont, seine Prognose gelte nur, wenn "es nicht zu einer dramatischen Verschlechterung der internationalen Wirtschaftslage kommt".Dagegen sagte Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel, die Folgen der Krise in Rußland hielten sich in Grenzen.Er erwartet weiterhin einen Aufschwung von 2,6 Prozent für das ganze laufende Jahr.Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln rechnet sogar mit einem Plus von rund drei Prozent in diesem Jahr.

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