Wirtschaft : Das edle Metall verliert als Geldanlage weiter an Attraktivität

Hermannus Pfeiffer

Gold ist schön anzusehen, als Geldanlage eignet sich das edle Metall aber immer weniger. So warnt eine führende Schweizer Bank Privatanleger vor dem Kauf: "Gold bleibt für uns unattraktiv", heißt die Bewertung der Bank von Ernst. Als Vermögensanlage verliert Gold an Attraktivität. Schuld sei der Angebotsüberhang, der "langfristig" anhalten werden, erläutert ein Sprecher.

In sechstausend Jahren hat die Menschheit über 125 000 Tonnen Gold aus der Erde gebuddelt, schätzen die Fachleute des U.S. Geological Survey. Mehr als 15 Prozent davon sind für immer verloren, etwa durch industrielle Nutzung, die nicht nachhaltig wirkte. Von dem verbliebenen Rest besitzen Staaten und Zentralbanken etwa 35 000 Tonnen; über 70 000 Tonnen sind als Münzen, Barren oder Schmuck in privatem Eigentum. Aber seit zwanzig Jahren sinkt der Goldkurs anhaltend: Zu goldigen Zeiten hatte er bei 850 Dollar gelegen, heute dümpelt er weit unter der 300er Marke herum.

Der Grund: Seit zwei Jahren haben viele Staaten begonnen, sich von ihren "eisernen" Goldreserven zu trennen. Einen weiteren Preissturz hat seit dem vergangenen Jahr zudem die Ankündigung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgelöst, sich von Goldbarren zu trennen. Der durch die Asienkrise gebeutelte IWF will mit dem Erlös aus zehn Millionen Feinunzen seine Schuldeninitiative zugunsten der ärmsten Mitgliedsländer finanzieren oder zumindst mitfinanzieren. Freilich müssen diese Länder die Zeche mittelbar selber bezahlen und zwar über einen weiter sinkenden Goldpreis: "Alle jene Länder, für die ihre Goldproduktion eine der wichtigsten Exporteinnahmen beziehungsweise ein wesentlicher Beschäftigungsbereich darstellt, stecken in einem Dilemma", klagte die renommierte Aktion Finanzplatz Schweiz. 30 der ärmsten Länder, welche durch den HIPC-Schuldenerlass der Industriestaaten entlastet werden sollen, müssten so über einen sinkenden Goldpreis indirekt ihre eigenen Entschuldung durch den internationalen Währungsfonds finanzieren, da ihre Erlöse aus dem Goldexport drastisch sinken.

Weitere Verlierer des sinkenden Goldsternes sind die Minengesellschaften in Russland, Afrika und Südamerika und ihre Arbeiter. Ihre Produktionskosten sind oft höher als der aktuelle Weltmarktpreis. Dieser hat bei rund 270 Dollar pro Feinunze am 20 Mai diesen Jahres gelegen. Allein schon aufgrund des geplanten Verkaufs von 400 Tonnen in diesem Jahr - immerhin ein Sechstel der Weltproduktion - tragen die europäischen Zentralbanken zu weiter fallenden Kursen des Edelmetalls mit bei. Experten halten einen Preisverfall auf 200 oder gar 100 Dollar in den kommenden Jahren durchaus für möglich.

Da Gold für wichtige Währungen wie Dollar oder Euro und ebenso für die nationale Inflationsbekämpfung keine Rolle mehr spielt, brächte dieser goldige Absturz den reichen Staaten keinen Schaden. Privatanleger sollten deshalb der Einschätzung der Bank von Ernst folgen: Gold ist "unattraktiv".

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