Wirtschaft : Das Eingeständnis ihrer Schöpfer hilft der A-Klasse aus der Schieflage

Daimler-Benz erhält Zustimmung für Lieferstopp

DÜSSELDORF/BERLIN (grü/stk/HB).Daimler-Management und -Kunden gehen durch ein Wechselbad der Gefühle.Nach dem Schock und dem spät erfolgten Lieferstopp ernteten die Betroffenen erstmals freundlichere Kommentare.Sogar eine Auszeichnung bleibt der A-Klasse nicht verwehrt.Jürgen Schrempp hat ­ zumindest bei öffentlichen Auftritten ­ trotz des A-Klasse-Debakels den Humor nicht verloren.Bei einem Empfang des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gestern im Berliner Schloß Bellevue bei Bundespräsident Roman Herzog zog der Daimler-Vorstandschef plötzlich eine Miniatur der A-Klasse aus der Tasche und hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch der vorübergehende Lieferstop der A-Klasse kann offensichtlich das Vertrauen vieler Daimler-Kunden in den kleinsten Mercedes aller Zeiten nicht nennenswert erschüttern.Vertriebsvorstand Dieter Zetsche sagte dem Handelsblatt, bis jetzt hätten rund 2000 Kunden ihre Bestellung storniert.Die Verluste seien allerdings durch neue Aufträge mehr als wettgemacht worden.Die gestoppte Auslieferung und die gestrige Zeitungsanzeige, in der das Unternehmen Fehler eingesteht und Änderungen am Fahrzeug ankündigt, stoßen auf überwiegend positive Reaktionen.Der Lieferstopp der A-Klasse sei richtig, komme allerdings spät, sagte der Automobilspezialist Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.Die Entscheidung koste zwar viel Geld, unterstreiche aber die Bedeutung der Marke Mercedes.Wie bereits vor Tagen durchgesickert war, ist die A-KLasse gestern von der Zeitung "Bild am Sonntag" mit dem "Goldenen Lenkrad" ausgezeichnet worden.Kein Wunder, daß Konzernchef Schrempp gestern schon wieder Morgenluft witterte.Die vielgeschmähte Baureihe werde "nach dem Einbau zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen das beste Auto seiner Klasse", gab sich der oberste Daimler-Vorstand gewohnt selbstbewußt. Der Kurs der Daimler-Aktien dagegen sinkt scheinbar unaufhaltsam in den Keller.Die schlechte Marktverfassung und der schwächere US-Dollar taten ihr übriges.Zusätzliche Kosten und ein geringerer Umsatz als ursprünglich geplant dürften das Ergebnis 1997 und 1998 belasten, meinen Beobachter.Optimisten rechnen dagegen nur mit einem marginalen Einfluß auf die Gewinne.Einig sind sich die Experten allerdings hinsichtlich ihrer Aktienempfehlungen, diese werden vorerst nicht geändert.Das ergab eine Umfrage des Handelsblattes unter Analysten.Gewinnrevisionen einzelner Kreditinstitute wurden offenbar wegen des nun schwächeren US-Dollar, der im ersten Halbjahr bei der Ergebnisberechnung noch deutlich höher angesetzt worden war, vorgenommen.Am Mittwoch sackte die Aktie in einem insgesamt schwachen Markt noch einmal um 1,45 DM auf 109,75 DM ab.Das Jahreshoch hatte bei 161,80 DM gelegen.Die BHF-Bank sieht neben einem großen Imageschaden für Daimler Benz vor allem Schwierigkeiten beim Absatz.Zwar hätten die Stuttgarter ihre geplanten Verkaufszahlen für 1998 bereits von 190 000 Stück der A-Klasse auf 160 000 reduziert.Aber auch diese Zahl bleibe angesichts der verschobenen Auslieferungen auf März des kommenden Jahres fraglich.Belastend für den Gewinn wirkten sich zusätzliche Kosten für Umrüstung und Werbung aus.Der operative Gewinn sinke voraussichtlich um 200 Mill.DM gegenüber den ursprünglichen Daimler-Annahmen.Das Bankhaus Schröder Münchmeyer und Hengst (SMH) hat seine Gewinnschätzungen je Aktie von 7,80 DM auf 6,35 DM (1997) bzw.von 6,35 DM auf 5,80 DM (1998) zurückgenommen, aber noch keine entgültige Entscheidung über die neue Ergebnisberechnung getroffen.Ihre Verkaufsempfehlung bleibt trotz des kräftigen Kursverfalls vorläufig bestehen.Auch Salomon Brothers ist noch nicht davon überzeugt, daß die Modifizierungen von Erfolg gekrönt sein werden.Aber trotz dieser Probleme setzt Salomon wegen der guten Positionierung von Daimler weiter auf die Aktie und empfiehlt sie unverändert zum Kauf.Das Kursziel liegt bei 140 DM.Etwas weniger dramatisch betrachtet die DG Bank den Imageverlust für Daimler Benz.Schon früher habe es Schwierigkeiten bei Neueinführungen gegeben.Die Blamage für Daimler kratzt nach Ansicht von Goldman Sachs eher am Stolz des Konzerns denn am finanziellen Wohl.Imageprobleme für die gesamte Marke Mercedes werde es nicht geben.Solange die Stornos für die A-Klasse auch weiterhin nur ein Prozent der bestellten Autos beträfen, dürfte es keinen echten Einfluß auf die Gewinne haben.Das Anlageurteil für die Aktie lautet damit unverändert auf "Marktperformer".Deutsche Morgan Grenfell zeigt sich ebenfalls gelassen und ändert ihre Gewinnschätzungen nur marginal.Nach den markanten Kursverlusten böte sich die Daimler-Aktie kurzfristig sogar als Schnäppchen an.

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