Das Eisjahr 2007 : Kalte Träume

Exotische Früchte, viel Kaffee und wenig Fett – so ungefähr sieht das Eisjahr 2007 aus. Bis jetzt lief es prächtig

Maren Peters

Unwetter? Schauer? Gewitter? Nach den Rekordtemperaturen im April hat das wilde Mai-Wetter der Eisindustrie die Laune nicht verderben können. „Wir sind sehr, sehr gut ins Jahr gestartet“, sagt Katja Milkereit, Sprecherin des Magnum-Produzenten Unilever-Langnese. „Und mit dem Regenwetter kommen wir ganz gut klar, es ist ja warm.“

Nach der Faustregel der Branche steigt die Lust auf Eis jenseits der 20 Grad Celsius. Ideal seien Temperaturen von 25 bis 30 Grad, sagt Milkereit. Wird es noch wärmer, schmilzt auch die Sehnsucht nach Gefrorenem wieder. Das erklärt vielleicht auch, warum Spanier oder Türken viel weniger Eis schlecken als Nordeuropäer.

Wenn ideales Wetter von idealer Stimmung begleitet wird, wie bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr, hat auch die Branche Grund zum Jubeln. Der Eiskonsum in Deutschland stieg im WM-Jahr kräftig an. 8,4 Liter Markeneis verputzte jeder Deutsche im Schnitt, das waren 0,3 Liter mehr als im Vorjahr. Das schlug sich auch im Umsatz nieder, der um 3,3 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro anstieg. „Nach dem frühen und guten Start sind wir optimistisch, dass es ein gutes Eisjahr wird“, sagt Beate Olzem, die Sprecherin des Deutschen Süßwarenverbandes. „Wir hoffen, dass wir das WM-Jahr übertreffen können.“

Markenhersteller wie Langnese oder Nestlé-Schöller mögen sich aber verständlicherweise nicht allein auf das Wetter verlassen. Sie investieren viel Geld in die Forschung, um die Lust auf Eis mit immer neuen Kreationen zu steigern. „Der Eismarkt lebt von Innovationen“, sagt Nestlé-Schöller-Sprecherin Barbara Groll, deren Arbeitgeber pro Jahr 15 bis 20 neue Produkte auf den Markt bringt. „Wichtig ist ein guter Mix aus alten und neuen Produkten.“ So kommt es, dass Klassiker wie Fürst Pückler oder Nucki Nuss in der Kühltruhe einträchtig neben Sommer-Neulingen wie Frubetto Quark Erdbeer Rhabarber oder dem Stieleis Mövenpick Macao White Dream frieren. Ob die Neulinge auch 2008 erleben werden, kann Groll noch nicht sagen.

Konkurrent Unilever bietet seine drei neuen Magnum-Varianten von vornherein als „limited edition“ an. Mit künstlicher Knappheit hat das weniger zu tun denn mit dem ganz normalen Produktzyklus. „Wir wissen ja nicht, ob wir die Sorten im nächsten Jahr wieder anbieten“, sagt Konzernsprecherin Milkereit.

Um die Kunden bei Laune zu halten, gibt es ständig neue Sorten. Seit einigen Jahren schon geht der Trend hin zu Kaffeegeschmack, in diesem Sommer auch zu exotischen Geschmacksrichungen wie Papaya oder Mango. Trotzdem greifen die Deutschen immer noch am häufigsten zu Vanille, Erdbeere und Schoko – „auch deshalb, weil man sie am besten kombinieren kann“, sagt Eis-Expertin Olzem.

Um der wachsenden Zahl der Ernährungsbewussten das schlechte Gewissen zu ersparen, bringt die Industrie immer mehr fett- und zuckerreduziertes Eis auf den Markt. Dazu gehören etwa die Langnese-Marke Cremissimo oder Schöllers Mövenpick-Frubetto.

Der größte deutsche Speiseeis-Produzent Rosen bringt es bei fettreduzierten Sorten drei Jahre nach der Einführung beauf dreistellige Wachstumsraten, wie Geschäftsführer Michael Müller sagt. Der Name des Familienunternehmens ist freilich nur Branchenkennern bekannt. Denn viel wichtiger als der Name ist in diesem Fall der Preis: für Großkunden wie Aldi, Lidl, Penny und Plus produziert Rosen ausschließlich Handelsmarken. „Wir profitieren vom Wachstum der Discounter“, sagt Müller. In Deutschland haben sie einen Marktanteil von rund 40 Prozent.

Es liegt auch an der Macht der Discounter, dass der Eispreis seit Jahren fast unverändert bei rund 4,30 je Liter liegt. Das soll sich ändern. „Die Preise werden im nächsten Jahr angepasst“, kündigt Müller an. Grund seien explodierende Preise bei Milchpulver und Butter. 2007 ist es für höhere Preise aber schon zu spät. Die Eistafeln sind längst gedruckt. Maren Peters

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