Das Ende der Glühbirne : EU spart nicht an Energiesparlampen

Die konventionelle Glühlampe steht vor dem Aus. Ab September dürfen keine Birnen mit mehr als 60 Watt mehr verkauft werden.

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Berlin - Viele Verbraucher halten die Energiesparlampe für einen der größten Irrläufer der Technikgeschichte, einen Ausdruck irrsinniger EU-Bürokratie und überdies für ein perfides Instrument der Lampenhersteller, ihre Umsätze und Margen zu steigern. Doch es ist, wie es ist: Ein in mehr als 100 Jahren etabliertes Produkt, die konventionelle Glühlampe, wird per EU-Verordnung bis 2012 in Schritten durch ein neues ersetzt.

In vier Wochen steht der nächste Schritt an. Von September an dürfen keine gewöhnlichen Glühlampen mit mehr als 60 Watt Leistung mehr verkauft werden. Lampen mit mehr als 100 Watt waren schon vor knapp einem Jahr aus den Regalen verbannt worden. Damals berichteten Einzelhändler von Hamsterkäufen. Diesmal warnen Verbraucherschützer vor Chaos. „Die Verbraucher haben noch zu viele Schwierigkeiten beim Einkaufen“, sagte Gerd Billen, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, am Donnerstag. Kunden könnten noch zu schlecht erkennen, welche Anlaufzeit die Lampe brauche, ob das Licht warm oder kalt sei und wie lange die Leuchte halte.

Immerhin sind alle Hersteller von September an auch verpflichtet, zehn zentrale Angaben auf die Schachteln zu drucken: darunter den Lumen-Wert, der die Helligkeit des Lichtes beschreibt, und die Umrechnung in Watt im Vergleich mit einer konventionellen Glühlampe. Auch die Lebensdauer muss angegeben werden. Zudem muss auf der Schachtel eine Internet-Adresse genannt sein, unter der Käufer erfahren, wie sie mit einer zerbrochenen Lampe umgehen sollen. (Zum Beispiel soll man die Scherben wegen des enthaltenen Quecksilbers nicht mit dem Staubsauger einsammeln.)

Damit Kunden sofort erkennen können, ob eine Lampe die Kriterien im Hinblick auf Nutzerfreundlichkeit, Umwelt- und Gesundheitsschutz erfüllt, haben die Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt die Hersteller aufgefordert, ihre Produkte zertifizieren zu lassen und den „Blauen Engel“ auf die Schachtel zu drucken. Das lehnen Branchenführer wie Osram und Philips bisher ab.

Somit wird der Lampenkauf komplizierter, was die Beliebtheit des Produkts nicht steigern wird. Dabei sprechen gute Gründe dafür. Nach rund einem Jahr hat man die höheren Anschaffungskosten wegen des geringen Stromverbrauchs meist wieder raus. Die Lampen halten deutlich länger und erzeugen, wenn man einen niedrigen Kelvin-Wert wählt, auch warmes Licht. Würde man überdies alle alten Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen, könnte Deutschland rechnerisch zwei schmutzige Kohlekraftwerke abschalten. Kevin P. Hoffmann

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