Wirtschaft : Das Ende des Normalbenzins

Der Preisunterschied zwischen Normal und Super ist nahezu verschwunden

Christoph Giesen

Berlin - Nach den jüngsten Preiserhöhungen wird der Unterschied zwischen Normal- und Superbenzin immer geringer. Beim ADAC möchte man deshalb in den nächsten Wochen einmal durchrechnen, ob es nicht sogar preiswerter ist, Super statt Normal zu tanken. „Beim Superbenzin ist der Brennwert höher. Es wird also ein wenig Sprit gespart“, sagte ADAC-Sprecher Peter Hemschik. Der Spareffekt sei allerdings so gering, dass es sich bislang noch nicht gerechnet habe. „Bei einem Unterschied von nur einem Cent pro Liter kann es durchaus sein, dass es am Ende egal ist, ob ich Super oder Normal tanke“, sagte Hemschik.

Die Ölkonzerne hatten in den vergangenen Wochen den Preisabstand zwischen Normal- und Superbenzin von zwei Cent auf einen Cent pro Liter verringert, indem sie den Normalbenzinpreis anhoben. „Ein Cent, das klingt erst mal nach nichts. Täglich sind das aber rund 270 000 Euro, die den Mineralölkonzernen in die Kassen gespült werden“, sagte Sven Janssen vom Automobilclub von Deutschland (AvD).

„Wir mussten den Preis erhöhen, denn auf dem Weltmarkt gibt es eine starke Nachfrage nach Normalbenzin, besonders aus China und den USA“, verteidigte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg die Preissteigerung. Das bestätigt auch Barbara Meyer-Buckow vom Mineralölwirtschaftsverband. „In den vergangenen Jahren ist die Preisdifferenz zwischen Normal und Super zusammengeschrumpft.“

„Der Grund für die Erhöhung ist eine Angleichung des Superpreises an den Normalbenzinpreis“, sagte Helmut Buchmann vom Branchendienst Oil Market Report. „Seit dem 1. August wird nur noch mit einem Aufschlag von 0,85 Euro pro 100 Liter Superbenzin gerechnet.“ Zuvor war ein Aufschlag von 1,70 Euro pro 100 Liter Super auf den Normalbenzinpreis berechnet worden. Die Ölkonzerne standen nun vor der Wahl, entweder den Superpreis zu senken oder aber den Normalpreis zu erhöhen. Da Superbenzin in Deutschland viel häufiger verkauft werde als Normalbenzin sei ein Absenken des Superpreises vermutlich nicht bezahlbar, sagte Buchmann. Im Jahr 2006 betrug der Nomalbenzinanteil am Ottokraftstoff (Benzin) rund 27 Prozent. 70 Prozent entfielen auf Super, Super-Plus tankten drei Prozent.

„Nur noch in Deutschland und Österreich wird in Europa Normalbenzin angeboten“, sagte Aral-Sprecher Brandenburg. In Frankreich, Spanien oder Italien verzichtet man schon seit Jahren auf Normaltreibstoff. Der Unterschied zwischen Normalbenzin und Superkraftstoff besteht in der höheren Klopffestigkeit, die als Oktanzahl angegeben wird. Wenn das eingespritzte Luft-Benzingemisch im Zylinder nicht gleichmäßig verbrennt, sondern sich selbst entzündet, spricht man vom „Klopfen“. Durch das Klopfen kann der Motor kaputtgehen. Bestimmte Zusatzstoffe im Benzin können diesen Effekt reduzieren. Je höher die Oktanzahl, desto gleichmäßiger verbrennt der Treibstoffmix. Normalbenzin hat 91 Oktan und Super 95. Bei den Branchenführern wird es jedenfalls mittelfristig noch den 91-Oktan-Sprit geben. „Aktuell gibt es keine Pläne, das Normalbenzin in Deutschland abzuschaffen“, sagte eine Shell-Sprecherin. „Das entscheidet der Markt und nicht wir“, sagte Aral-Sprecher Brandenburg. Christoph Giesen

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