Wirtschaft : Das Finanzimperium schlägt zurück Goldman Sachs wehrt sich gegen Betrugsvorwurf

Kein Geständnis.
Kein Geständnis.Foto: AFP

Washington - Die US-Investmentbank Goldman Sachs geht zum Angriff über. Vor einem Untersuchungsausschuss des Senats zur Finanzkrise wies der Führungszirkel der Bank am Dienstag die erhobenen Betrugsvorwürfe scharf zurück. „Wir haben sicherlich nicht gegen unsere Kunden gewettet“, sagte Bankchef Lloyd Blankfein.

Er widersprach damit dem Ausschussvorsitzenden Carl Levin, der es als erwiesen ansieht, dass Goldman Sachs 2007 auf fallende Häusermärkte setzte, während die Bank ihren Kunden weiterhin Hypothekenpapiere verkaufte. Beim Platzen der Immobilienblase wurden die Anlagen über Nacht praktisch wertlos.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor rund zwei Wochen Klage gegen Goldman Sachs eingereicht. Sie wirft der Bank vor, mehrere Kunden hinters Licht geführt zu haben. Einer der Geschädigten soll die deutsche Mittelstandsbank IKB gewesen sein. Allein hier soll der Schaden bei 150 Millionen Dollar liegen. Ihr hoch riskantes Engagement am US-Häusermarkt hatte das Düsseldorfer Institut fast umkippen lassen.

„Ich weise die SEC-Anschuldigungen kategorisch zurück“, sagte Goldman-Sachs-Banker Fabrice Tourre. Er hatte das komplexe Geschäft eingefädelt und sich in internen E-Mails seiner eigenen Genialität gerühmt. „Die Transaktion war nicht derart gestaltet, dass sie scheitern musste.“ Die IKB sei einer der weltweit erfahrensten Spieler auf dem Hypothekenmarkt gewesen.

Seit knapp zwei Wochen belastet der Betrugsvorwurf die komplette Bankenlandschaft. Andere Institute hatten ähnliche Finanzprodukte aufgelegt. Befürchtet werden teure Schadenersatzklagen und eine härtere Regulierung. Bei Goldman Sachs sind bereits die ersten Klagen eingegangen. Goldman Sachs gehört zu den absoluten Spitzenverdienern der Branche und zu einem der renommiertesten Häuser der Wall Street.

Selbst in der Krise schrieb die Bank nach einem kurzen Einbruch schnell wieder Milliardengewinne. Das machte sie zum bevorzugten Ziel von Branchenkritikern. Viele Banker sprechen von einem politisch motivierten Verfahren.

„Es ist keine Frage, Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt“, sagte Senator John McCain aus Arizona. Bankchef Blankfein warb um Verständnis: „Ich verstehe, wie eine solche komplizierte Transaktion für manche Menschen aussehen muss. Sie fühlen sich bestätigt in ihrer Annahme, dass die Wall Street außer Kontrolle geraten ist.“ Tatsächlich würden seine Mitarbeiter aber etwa der Regierung helfen, Geld für Schulen oder Straßen aufzutreiben, sagte Blankfein.

US-Präsident Barack Obama versucht derzeit, seine Finanzmarkt-Reform voranzutreiben, mit der er die Banken zügeln und die Verbraucher schützen will. Die Branche und die oppositionellen Republikaner stehen dem Vorhaben aber kritisch gegenüber, weil sie zu starke staatliche Eingriffe befürchten. Erst am Montag musste Obama einen Rückschlag im Senat hinnehmen. Blankfein stellte sich ausdrücklich hinter eine Finanzmarkt-Reform, die für mehr Transparenz sorgt. Er lehnte aber ein Verbot bestimmter Anlageformen ab. dpa

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