Wirtschaft : Das Frühjahr bringt nur wenig neue Stellen

Zahl der Arbeitslosen im Juni minimal gesunken – Clement erwartet Trendwende frühestens Anfang 2005

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Berlin – Die Konjunkturerholung hat den Arbeitsmarkt noch nicht erreicht: Die Zahl der Arbeitslosen ging im Juni um 59700 auf 4,233 Millionen zurück. Das waren 25300 weniger als im Vorjahr, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Mai um 0,1 Prozentpunkte zurück, verharrte aber mit 10,2 Prozent auf dem Vorjahresniveau. Saisonbereinigt, also ohne Berücksichtigung von jahreszeitlichen Schwankungen, sank die Arbeitslosenzahl leicht um 1000 – der erste Rückgang in diesem Jahr. „Noch ist die konjunkturelle Belebung nicht stark genug, damit die Betriebe wieder mehr Personal einstellen“, sagte BAVorstand Frank-Jürgen Weise.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahl findet nur auf dem Papier statt, da wegen einer statistischen Bereinigung die Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen – das sind Kurse bis zu zwölf Wochen – nicht mehr als arbeitslos gelten. Ohne diesen Effekt wäre die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr um 61900 gestiegen – der höchste Juni-Stand seit der Wiedervereinigung.

In Berlin waren im Juni 297401 Menschen ohne Job, das sind 3,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. In Brandenburg ist die Zahl der Arbeitslosen hingegen gestiegen: Ende Juni waren 249753 als arbeitslos gemeldet – 1122 mehr als im Mai, aber 91 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 18,6 Prozent, in Berlin lag sie bei 18,1 Prozent.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SDP) sieht den Trend zum Abbau von Jobs gestoppt. Die Jugendarbeitslosigkeit sei stark zurückgegangen. Die Konjunktur gewinne an Fahrt, mit einer Kehrtwende auf dem Arbeitsmarkt rechne er aber erst in der ersten Hälfte des kommenden Jahres. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) dokumentieren die Arbeitsmarktzahlen die anhaltende Krise auf dem Arbeitsmarkt. „Die Arbeitsmarktreformen der Regierung schaffen weder Wachstum noch Arbeitsplätze“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer. Die Opposition warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. Jede Viertelstunde gehe ein Unternehmen pleite, eine Politik für Arbeit und Wachstum finde nicht mehr statt, kritisierte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Die jüngsten Daten zeigten einen Arbeitsmarkt „zwischen Hoffen und Banken“, sagte Volkswirt Peter Leonhardt von der DekaBank. Immerhin böten die Daten aber einen „kleinen Hoffungsschimmer“, so der Experte. dpa/gd

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