Wirtschaft : „Das Fundament des Weltwährungssystems wankt“

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Die USA sind im Ausland mit mehr als vier Billionen Dollar verschuldet, pro Jahr kommen fast 700 Milliarden hinzu. Wer muss sich mehr Sorgen machen, der Schuldner oder die Gläubiger in Ostasien und Europa?

Beide sollten sehr besorgt sein. Die Amerikaner müssen begreifen, dass ihnen eine harte Anpassung bevorsteht, wenn das Ausland diese 700 Milliarden Dollar nicht mehr bereitstellt. Dann verliert der Dollar weiter an Wert und die Zinsen steigen, so dass die Immobilienpreise fallen und der Konsum einbricht. Das träfe auch Europa und Asiens Exportwirtschaften hart.

Droht ein DollarCrash?

Das hängt davon ab, wie lange die wichtigsten Gläubiger, die Notenbanken von China und Japan, den USA noch Kredit geben. China muss schon 60 Milliarden Dollar pro Quartal in US-Staatsanleihen anlegen, um den fixierten Wechselkurs zu halten. Das ist doppelt soviel wie zu Beginn des Jahres. Dieses Tempo halten die Chinesen nicht durch. Offenkundig strömt immer mehr Kapital an den Kontrollen vorbei nach China, die Spekulation auf eine Aufwertung des chinesischen Yuan wächst.

Wenn die Kapitalspritze aus Asien ausfällt und der Dollarwert weiter verfällt, werden die Besitzer von Dollar-Wertpapieren viel Geld verlieren. Gefährdet das die Rolle des Dollar als globale Leitwährung?

Nicht auf kurze Frist, dafür ist die Trägheit des Systems zu groß. Aber der privilegierte Status der USA erodiert. Sie können sich zwar noch in eigener Währung verschulden, aber nur zu höheren Zinsen. Und immer weniger Menschen werden in Dollar sparen. Das ist in den Öl-exportierenden Ländern und in Osteuropa schon messbar. Das zeigt: Das Fundament des Weltwährungssystems wankt.

Das Gespräch führte

Harald Schumann

Brad Setser forscht an der Stern School of Business in New York über das globale Finanzsystem. Seine Studie über das US-Schuldenproblem hat eine weltweite Debatte angestoßen.

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