Wirtschaft : Das Geld, das aus dem Drucker kam

Roland Koch

Etwas Gutes hat der Euro schon heute: Er hat uns reicher gemacht. Begriffe wie "Schlafmünzen" oder "Starterkits" kannte noch vor einigen Monaten niemand. Jetzt weiß fast jedes Kind, was damit gemeint ist. Doch über sprachlichen Reichtum freut sich bekanntlich nicht jeder. Schnöder Mammon wird meist bevorzugt. Und mancher Schurke wird die Wirren der Währungsumstellung nutzen, um Falschgeld unter die Leute zu bringen. Schon im Jahr vor der Euro-Einführung haben Blüten Konjunktur. Die alten D-Mark-Scheine sind leichter nachzumachen als die Hightech-Euros. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sind bei der Bundesbank so viele falsche Geldscheine eingegangen wie im gesamten Jahr zuvor.

Deshalb hat der Euro auch etwas Schlechtes: Er bereitet uns Unbehagen. Neben der Furcht vor versteckten Preiserhöhungen haben wir Angst davor, dass uns falsche D-Mark-Scheine oder - in wenigen Wochen - falsche Euro-Scheine untergejubelt werden. Denn die Einführung des Euro bringt Geldscheine auf den Markt, die den Verbrauchern noch nicht vertraut sind. Euro-Experten halten dagegen, dass die neue Währung äußerst fälschungssicher sei. Aber das muss sich erst noch in freier Laufbahn beweisen.

In den kommenden Wochen gilt es, ein besonders wachsames Auge auf sein Bargeld haben, rät die Kriminalpolizei. Denn wer das Falschgeld erst einmal in der Tasche trägt, hat auch den Schaden. Nachgemachte Moneten werden ersatzlos eingezogen. Doch sollte man sich von diesen Aussichten nicht dazu verführen lassen, einen falschen Fünfziger einfach weiterzureichen. Wer dabei erwischt wird, macht sich strafbar nach den Paragrafen 146 ff. des Strafgesetzbuches: "Wer ... falsches Geld als echt in Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es da. Schon der Versuch ist strafbar (§ 147 StGB). Geldfälscher wandern bis zu zehn Jahre hinter Gitter.

In Berlin ist das Falschgeldaufkommen um 15 bis 20 Prozent angestiegen. Etwa 750 000 Mark hat die Polizei bislang sichergestellt. "Die Fälschungen sind in der Regel sehr schlecht und sie treten meistens im Handel auf", sagt die Leiterin des Falschgelddezernats der Berliner Kriminalpolizei, Ute Kadow. Gerade in der Hektik des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts, wenn die Geschäfte voll sind und die Zeit knapp ist, wechselt viel Geld ungeprüft den Besitzer. Da werden Betrüger auch schlecht gemachte Falsifikate los - gerade wenn es Scheine mit geringen Beträgen sind.

Im täglichen Umgang mit Geld solle man deshalb nicht sorglos sein, sondern beim kleinsten Anzeichen misstrauisch werden. "Wenn sich ein Geldschein beispielsweise zu glatt anfühlt, sollte man sofort die Sicherheitsmerkmale prüfen. Das geht in Sekundenschnelle und man kann sich eine Menge Unnannehmlichkeiten ersparen", sagt Ute Kadow. Denn selbst wenn man Falschgeld, das man bekommen hat, unverzüglich bei einer Bank oder der Polizei abgibt, wird in jedem Fall ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir wollen aus den Opfern nicht auch noch Täter machen. Aber man muss schon glaubhaft darlegen, wie man zu dem falschen Geld gekommen ist."

Immerhin ein kleiner Trost kommt von der Bundesbank. Dietmar Thiele, der Leiter der dortigen Falschgeldstelle, sieht in dem derzeitigen Falschgeldaufkommen einen klaren, aber keinen explosiven Anstieg. 21 000 falsche Banknoten seien bei der Bundesbank bis Ende September eingegangen. Auf das gesamte Jahr hochgerechnet könnten es 30 000 werden. Bei insgesamt 2,4 Milliarden Noten, die international in Umlauf seien, sei das Risiko, an eine Fälschung zu geraten, rein rechnerisch äußerst gering.

In der Falschgeldstelle der Bundesbank werden die enttarnten Kopien begutachtet und klassifiziert. So wird untersucht, nach welcher Methode das Geld hergestellt wurde, ob es beispielsweise aus einer Druckmaschine oder einem Kopierer stammt oder ob ein Schein per Computer eingescannt und dann vervielfältigt wurde. "Im Idealfall können wir das Falschgeld einem Täter zuordnen", sagt Thiele. "Mit unserer Beurteilung kann aber auch die kriminelle Energie bestimmt werden, die wiederum bei einer Verurteilung relevant wird."

Immer gleiche Methoden

Mit der Euro-Einführung erwartet die Kriminalpolizei aber auch eine neue Spezies des Betrügers, den selbst ernannten "Euro-Beauftragten" oder "Euro-Wechsler". Gerade alte Menschen zählen zu den von diesen Trickbetrügern bevorzugten Opfergruppen. Senioren haben häufig größere Summen Bargeld zu Hause. Sie leben oft allein und freuen sich dann über ein nettes Schwätzchen. In der Regel lässt auch das sinnliche Wahrnehmungsvermögen nach. Diese Situation nutzen Betrüger (sie lassen sich Beute geben) und Diebe (sie nehmen selbst weg) schamlos aus.

Nach immer wieder gleichen Methoden versuchen sie an das Geld anderer zu kommen. Diebe etwa geben vor, eine Reparatur in der Wohnung ausführen zu müssen oder sie fragen nach einem Glas Wasser für die Einnahme eines Medikaments, und schleusen in einem unbeobachteten Moment einen Komplizen in die Wohnung. "Zum Jahreswechsel werden sich dann aber auch viele Betrüger als Beauftragte einer Bank ausgeben und versuchen, echte Mark in falsche Euro umzutauschen", sagt Kriminaldirektor Winfried Roll. Der Referatsleiter für vorbeugende Verbrechensbekämpfung bei der Berliner Polizei warnt deshalb vor allen vermeintlichen "Falschgeldberatern", "Sozialamtsmitarbeitern" oder "Rentenberatern", die an der Wohnungstür anbieten, Bargeld zu prüfen oder umzutauschen.

Angst sei hier die falsche Reaktion. Weder brauche man zu fürchten, das Gesparte nicht mehr eintauschen zu können. Die Landesbanken werden DM-Bargeld noch auf unbestimmte Zeit zum Tausch annehmen. Noch solle man sich von vermeintlich amtlichen Personen einschüchtern lassen. Keine Bank oder Behörde schicke "Euroberater" an die Wohnungstüren.

"Das einzig ernsthafte Hindernis für Trickdiebe oder Trickbetrüger ist die Wohnungstür", sagt Roll. "Deshalb sollten gerade alte Menschen generell keine Fremden in die Wohnung lassen." Mit einem kurzen Weg zur Bank hat man letztendlich echte Euro auf dem Sparbuch und keine selbstgebastelten im Sparstrumpf.

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