Das Geschäft mit dem Adventskalender : Sex, Snacks und Schokolade

Das Geschäft mit Adventskalendern boomt. Neben dem guten alten Schokokalender gibt es jetzt auch Leckerlis für Haustiere und Erotika.

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Ha, ho, he: Den Hertha-Kalender für die Fans der Blau-Weißen, Katzensnacks für Tierfreunde und ein bisschen Alltagserotik in der Vorweihnachtszeit.
Ha, ho, he: Den Hertha-Kalender für die Fans der Blau-Weißen, Katzensnacks für Tierfreunde und ein bisschen Alltagserotik in der...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Noch drei Tage, dann ist es endlich so weit: An diesem Sonntag dürfen Millionen Kinder und Erwachsene das erste Türchen in ihrem Adventskalender öffnen. Oder das für ihre vierbeinigen Freunde tun, deren Pfoten oder Tatzen an den glatten Kalendertürchen scheitern. Auch Weinliebhaber, Teefreunde oder Fußballfans kommen auf ihre Kosten. Mit dem richtigen Kalender können sie sich in den nächsten 24 Tagen selbst Niederlagen ihrer Lieblingsmannschaft versüßen, täglich eine neue Teesorte aufbrühen, einen Spezialitätenkaffee probieren oder sich mit Bier, Wein oder Likör mehr oder weniger gepflegt einen hinter die Binde kippen.

Während Weihnachten seit jeher ein Freudenfest für die Wirtschaft ist, hat es ein bisschen gedauert, bis Industrie und Handel das Potenzial der Adventskalender entdeckt haben. „Der Adventskalender war fast schon tot“, weiß Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute bringen allein die Süßigkeiten-Kalender mehr als 50 Millionen Euro im Jahr. „In den letzten zehn bis 15 Jahren hat das Geschäft extrem zugenommen“, sagt der Verbandssprecher und führt das nicht zuletzt auf die Premium-Hersteller zurück, die ihre Kalender statt mit billigen Schokotäfelchen mit Edelschoko oder Qualitätspralinen füllen. So wie Lindt. Die Schweizer sind die Könige im Adventskalendergeschäft. 14 verschiedene Modelle haben sie inzwischen im Angebot. Wie viel man mit den Kalendern verdient, will Lindt-Sprecherin Nina Keller nicht sagen, das Segment sei in den vergangenen zwei Jahren aber „stark gewachsen“, räumt sie ein.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Spielzeugverband

Spielverderber im Vorweihnachtsgeschäft sind die Verbraucherschützer. Sie mäkeln traditionell an den hohen Preisen für die Kalenderware herum. Für die Verpackung zahle man den vierfachen Preis, ärgert sich etwa die Verbraucherzentrale Hamburg und zieht damit den Spott der Hersteller auf sich. „Wie nennt man einen Adventskalender ohne Verpackung?“, bloggte jüngst Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Ernährungsindustrieverbände BVE und BLL auf seinem Blog Filetspitzen: „Schokolade“.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Spielzeugverband. Adventskalender mit Spielwaren würden „nicht mit übermäßig hohen Preisaufschlägen verkauft“, versicherte Ulrich Brobell, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie, umgehend. Die Preisspanne der Kalender liege zwischen zehn und 30 Euro. Unterm Strich kommen so rund 30 Millionen Euro zusammen. Trotz Barbie, Cars oder Match Attax sind die Klassiker Playmobil und Lego weiter vorn. Ihr Erfolgsrezept: „Jeden Tag gibt es ein Teil, das man braucht, um eine Szene aufzubauen“, erklärt Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Spielwareneinzelhandelsverbands, „das baut Spannung auf bis Weihnachten.“

Kosmetik, Parfüm, Gymnastikanleitungen und Sexspielzeugen

Auf solche Spannung können Hunde, Katzen und Nager gut verzichten. Wären sie in der Lage, ihren Kalender zu öffnen, würde der Spaß keinen Tag überstehen. Doch die Vierbeiner sind nun einmal konstruktionsbedingt auf die Hilfe von Herrchen und Frauchen angewiesen, die sich nun an 24 Tagen mit Leckerlis, Spielzeug oder Futter aus dem Katzen-, Hunde- oder Kleintierkalender (fünf bis 13 Euro) beliebt machen können. Ein wachsendes Geschäft. „Immer mehr Menschen möchten ihre Katze auch zu Anlässen wie Weihnachten oder am Geburtstag des Tieres beschenken“, berichtet Susanne Munz, Sprecherin der Nestlé-Tochter Purina, die seit drei Jahren ihr „Gourmet“-Futter in solche Kalender packt.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Kosmetik, Parfüm, selbst Gymnastikanleitungen kann man heute als Adventskalender kaufen. Und auch Spielzeug anderer Art hält die Vorweihnachtszeit inzwischen bereit: Für knapp 50 Euro schickt Orion einen Erotik-Kalender mit DVDs, Sexspielzeugen und Wäsche.

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