Wirtschaft : Das Geschenk der Heuschrecke

Finanzinvestor Cerberus sponsert Berliner Azubis

Henrik Mortsiefer

Berlin - Als der amerikanische Student David Knower 1981 zum ersten Mal nach Ost-Berlin fährt, gerät er mit den DDR-Vopos aneinander. Zum Frisbee-Spielen haben sich die US-Boys auf dem sommerlichen Alexanderplatz die Hemden ausgezogen. Daran stören sich die Volkspolizisten. Knower und seine Freunde müssen sich wieder anziehen, um Ärger zu vermeiden. Das Frisbee schenken sie ein paar neugierigen Jugendlichen. Abends geht es zurück in den Westen: In der Waldbühne spielen Simon & Garfunkel.

„Ich bin heute wieder nach Berlin gekommen – diesmal mit einem etwas größeren Geschenk“, sagte David Knower am Dienstag in der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). 25 Jahre nach dem Frisbee- Spiel am Alex ist der 45-Jährige, der passabel Deutsch spricht, Geschäftsführer der Cerberus Deutschland Beteiligungsberatung GmbH. Cerberus ist das, was Franz Müntefering eine Heuschrecke genannt hat. Und Knowers Geschenk will so recht nicht zum Bild des renditehungrigen Ungeziefers passen: Cerberus spendet eine Million Euro zur Förderung von 100 zusätzlichen Ausbildungsplätzen bei Berliner Betrieben. Das Angebot der Ausbildungsinitiative richtet sich an alle Jugendlichen aus Berlin, die für 2006 noch keine Lehrstelle gefunden haben, über einen Schulabschluss verfügen und nicht älter als 25 Jahre alt sind.

„Überall, wo wir Geschäfte machen, geben wir den Standorten etwas zurück“, erklärte Knower das Engagement des Investors, der in Berlin rund 70 000 städtische Wohnungen gekauft hat und zu den größten Finanzinvestoren weltweit zählt. 18 Milliarden Dollar verwalten die Amerikaner rund um den Globus, mehr als 40 Milliarden Dollar wurden in Europa, Asien und den USA investiert.

Was für deutsche Ohren noch ungewohnt klingt, hat in den USA Tradition: „Good Corporate Citizenship“ – also das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen. Knower forderte deutsche Unternehmen zur Nachahmung auf. Seine Kosten-Nutzen-Rechnung fiel dabei typisch amerikanisch aus: „Wenn es der Berliner Wirtschaft gut geht, geht es auch Cerberus gut – denn dann vermieten sich unsere Wohnungen besser.“ In Deutschland wolle sich die Gruppe besonders engagieren. Man habe Vertrauen in den Standort. Und Berlin sei nach schwierigen Jahren wieder „im Aufwind“.

Die Initiative „Ausbildung Plus“ startete Cerberus Ende Mai in Wilhelmshaven, demnächst sollen Hannover und 2007 Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main einbezogen werden. Weitere Städte sollen folgen. „Wenn noch mehr Unternehmen mit ähnlichen Initiativen mitmachen – was wir sehr hoffen –, können noch viele zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen“, sagte Knower.

Das Engagement von Cerberus zeige, dass die Berliner Wirtschaft bereit sei, Eigenverantwortung zu übernehmen, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer. Gerade das duale Ausbildungssystem – „ein Markenzeichen für Deutschland“ – lohne das Engagement. Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer, lobte gerade die Unterstützung mittelständischer Betriebe. „Für ein Unternehmen mit fünf bis zehn Mitarbeitern und einer Auftragsreichweite von drei bis vier Wochen ist Ausbildung eine große Investition“, sagte Schwarz. Da könne die Unterstützung von Cerberus manchen Betrieb ermutigen, doch eine Lehrstelle zu schaffen.

Unbürokratisch und schnell soll die Cerberus-Million jetzt verteilt werden. Einzelne Ausbildungsbetriebe sollen gezielt angesprochen werden, „um ungewollte Mitnahmeeffekte zu vermeiden“, wie es am Dienstag hieß. Zu tun gibt es auf dem Berliner Ausbildungsmarkt mehr als genug, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder zu bedenken gab. Zwar steige die Zahl der ausbildenden Unternehmen kontinuierlich an – zuletzt auf 5700 IHK-Mitgliedsbetriebe. Die große Nachfrage nach Lehrstellen können sie aber nicht decken.

Interessierte können sich an die Industrie- und Handelskammer Berlin 030 - 315 102 65 oder die Handwerkskammer 030 - 259 033 48 wenden.

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