Wirtschaft : „Das gönnen sich die Menschen“ Philips-Manager über die Zukunft des Fernsehens

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Herr de Jong, was hat Philips auf der Funkausstellung zu bieten?

Das Fernsehen der Zukunft. Der Markt befindet sich im Umbruch und wächst rasant in zweistelligen Raten. Angetrieben wird er von drei Entwicklungen: Der Umstellung vom Röhrenfernseher hin zum flachen Bildschirm, dem Wechsel vom klassischen hin zum Breitbildformat, und schließlich wird auf der Ifa auch der Startschuss für das hochauflösende Fernsehen (HDTV) gegeben. Letzteres ist die Revolution schlechthin seit der Einführung des Farbfernsehens in den 70er Jahren. Wir versprechen uns sehr viel vom hochauflösenden Fernsehen.

Die Menschen halten sich beim Konsum zurück. Auf den Kauf eines kostspieligen neuen Flachbildfernsehers kann man dabei sicher am ehesten verzichten ...

Interessanter Weise ist das aber nicht der Fall. Die Menschen gönnen sich das – was natürlich ein Glück für uns ist. Seit Anfang des Jahres macht die Branche mehr Umsatz mit Flachbildschirmen als mit klassischen Röhrengeräten. Und wir erwarten, dass so ein Großereignis wie die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland im kommenden Jahr noch einen extra Impuls für den Markt bringen wird.

Ausstrahlen wird das hochauflösende Fernsehen zunächst aber nur der Bezahlsender Premiere mit nicht einmal vier Millionen Abonnenten. Reicht das, um ein Geschäft daraus zu machen?

Premiere wird hier in Kooperation mit Philips eine Vorreiterrolle spielen, um das ganze System bekannt zu machen. Wir werden damit eine Gruppe bedienen, die als erste geneigt ist, sich so etwas anzuschaffen ...

... nämlich die Sport-Fans.

Genau. Wir wissen aus der Marktforschung, dass die Bereitschaft, sich einen Flachbildschirm zu kaufen, bei Premiereabonnenten doppelt so hoch ist wie beim Durchschnitt der Bundesbürger.

Wie viele Geräte werden Sie zum HDTV- Start von Premiere absetzen können?

Unser Angebot an Fernsehern mit Flachbildschirmen ist bereits heute zu 80 Prozent „HD ready“, also für die Wiedergabe des hochauflösenden Fernsehens vorbereitet. Auf der Ifa werden es 95 Prozent sein. Neben Premiere bereiten aber auch die Kabelnetzbetreiber den Einstieg in HDTV vor. Firmen wie Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg und andere haben ein starkes Interesse bekundet. Nach Aussage der Kabelnetzbetreiber wird das gesamte Kabel in Deutschland in den kommenden sechs Monaten aufgerüstet. Dann ist es nur eine Frage der Inhalte, die von Premiere und anderen Sendern angeboten werden, damit wir HDTV in Deutschland auch flächendeckend genießen können.

Aber genau auf die Inhalte kommt es dem Kunden doch an.

Es gibt bereits Programme, die im hochauflösenden Format produziert werden, weil die Sender sie ins Ausland verkaufen wollen. Dort ist HDTV schon etabliert. An den Inhalten wird es nicht scheitern. In Hollywood werden fast alle Spielfilme im HD-Format aufgezeichnet. Auch bei der Bundesliga, der Championsleague und der WM ist das so. Das werden die Treiber der Entwicklung sein.

Wie wichtig ist die Ifa für die Branche?

Die Ifa ist weltweit eine der wichtigsten Messen, wenn nicht sogar die wichtigste für die Branche. Und ihre Bedeutung nimmt zu, weil sie immer internationaler wird. Das ist für uns eine einmalige Chance. Wir gehen davon aus, dass wir auf der Ifa mit etwa 1000 Händlern aus der ganzen Welt sprechen werden.

In welchem Umfang werden aus den Gesprächen auch Geschäfte?

Wir streben an, auf der Messe einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag an Aufträgen hereinzuholen.

Was werden Sie sich anschauen?

Wenn es die Zeit zulässt, werde ich mich natürlich bei der Konkurrenz umschauen, was sie an Neuigkeiten zu bieten hat. Aber mein Kalender ist eigentlich mit Kundenterminen ausgebucht.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

Ronald de Jong ist Geschäftsführer der Philips GmbH und Leiter des Bereiches Consumer Electronics. Philips ist nach eigenen Angaben Marktführer bei Unterhaltungselektronik in Deutschland.

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