Wirtschaft : Das große Bieten

Noch im Januar startet der Verkauf der Landesbank

Stefan Kaiser

Berlin - Die Privatisierung der Landesbank Berlin (LBB) geht in die heiße Phase. Potenzielle Käufer bereiten derzeit ihre Angebote vor, Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bastelt zugleich mit der Schweizer Investmentbank UBS am Plan B: dem Börsengang. „Wir werden bis auf weiteres zweigleisig fahren“, sagt Sarrazins Sprecher Matthias Kolbeck. Das Land will so lange wie möglich offen halten, ob es seine 81 Prozent an der ehemaligen Bankgesellschaft an der Börse versilbert oder an einen einzelnen Investor verkauft.

In der zweiten Januarhälfte soll das Verkaufsverfahren für die Landesbank samt zugehöriger Berliner Sparkasse mit einer offiziellen Ausschreibung starten. Dann müssen die Interessenten aus der Deckung kommen und „indikative Angebote“ vorlegen, in denen sie auch schon ungefähr deutlich machen, was sie zu zahlen bereit sind. Senator Sarrazin trifft dann zusammen mit der UBS eine Vorauswahl, wer Einblick in die sonst geheimen Geschäftsdaten der Landesbank nehmen darf. Bis zum Sommer soll das Verfahren abgeschlossen sein.

Dem Vernehmen nach soll die Führung der Landesbank um Vorstandschef HansJörg Vetter die Börsenvariante bevorzugen. Wenn es keinen einzelnen Eigentümer der Bank gibt, verschafft das dem Management mehr Spielraum, heißt es. Auch die Gewerkschaft Verdi plädiert für eine gemischte Eigentümerstruktur: „Wir halten einen Verkauf in kleinen Paketen für sinnvoller“, sagt Frank Wolf, Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen bei Verdi Berlin-Brandenburg und Aufsichtsrat der LBB. Er fürchtet, dass bei einem Verkauf als Ganzes ein Finanzinvestor den Zuschlag bekommen könnte, der die Bank in ihre Einzelteile zerlegt – ohne Rücksicht auf die Arbeitsplätze. Beobachter glauben aber, dass ein Börsengang dem Land weniger Geld einbringen könnte als ein Einzelverkauf. „Der Preis ist nicht alles“, sagt Wolf. Die LBB müsse als starke regionale Bank erhalten bleiben und Stellen sichern.

Bei einem Verkaufsverfahren könnte die Bank dem Land Schätzungen zufolge mindestens fünf Milliarden Euro einbringen. Nach dem aktuellen Aktienkurs zu urteilen, sogar deutlich mehr. Der Kurs wird seit Monaten von Spekulanten nach oben getrieben. Notierte die Aktie im August noch bei 4,50 Euro, steht sie heute bei acht Euro – ein Plus von fast 80 Prozent.

Die Liste der potenziellen Käufer ist lang. „Wir haben weiter die Wahrnehmung, dass es national und international großes Interesse gibt“, sagt Sarrazins Sprecher Kolbeck. Die Hypo-Vereinsbank aus München hat bereits ein Angebot angekündigt, auch die französische Bank BNP Paribas hat ihr Interesse angemeldet. Als weitere Kandidaten werden die niederländische ABN Amro, die französische Société Générale und die deutsche Commerzbank genannt.

Besonders spannend ist die Frage, ob das Sparkassenlager, zu dem die LBB noch gehört, selbst ein Angebot zustande bringen wird. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis hatte bereits im vergangenen Sommer angekündigt, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) wolle den Anteil Berlins übernehmen, um zu verhindern, dass die Berliner Sparkasse als erste in Deutschland in die Hände eines privaten Investors fällt.

Der DSGV will für den Kauf der Bank eine vier Milliarden Euro schwere Erwerbergesellschaft gründen, an der sich alle 458 deutschen Sparkassen beteiligen sollen. Falls es später im Bieterverfahren über die vier Milliarden hinausgeht, soll die Deka-Bank mit einem Kredit aushelfen. Doch das Angebot steht auf wackeligen Füßen. Denn die einzelnen Sparkassen müssten je nach Größe zwischen zwei und 128 Millionen Euro auf den Tisch legen. Das sehen nicht alle Institute ein. Bis Anfang Februar sollen die zwölf Regionalverbände ihre Mitglieder in Versammlungen befragen, ob sie mitmachen. Man habe „arge Bedenken“, heißt es aus einem der Verbände. Sollten mehrere große Sparkassen gegen den Plan stimmen, sei „diese Lösung tot“, sagt der Präsident eines weiteren Verbandes.

Für diesen Fall stehen im Hintergrund schon die mächtigen Landesbanken bereit, die wie die Sparkassen zum öffentlich-rechtlichen Lager gehören, aber auch untereinander Konkurrenten sind. Sie achten genau darauf, welches Institut mit im Boot für Berlin sitzt, und prüfen bereits seit Wochen, mit welchen Partnern sie noch kurzfristig ins Rennen einsteigen können.

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