Wirtschaft : Das große Update

Apple stellt das iPhone 5 vor, eine neue Vision bleibt Firmenchef Tim Cook aber schuldig.

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Einst und jetzt. Phil Schiller, Marketingmann der Firma Apple, präsentiert in San Francisco das neueste Modell des iPhone. Foto: dapd
Einst und jetzt. Phil Schiller, Marketingmann der Firma Apple, präsentiert in San Francisco das neueste Modell des iPhone....Foto: dapd

Der Applaus war höflich, aber nicht euphorisch. Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt, hat am Mittwochabend in San Francisco das allseits erwartete iPhone 5 vorgestellt. Über Wochen wurde über Formen und Funktionen gerätselt, geisterten angebliche Produktbilder durch das Internet. Was Apples Marketing-Chef Phil Schiller den mehreren hundert Journalisten in den USA und den via Satellit in London zugeschalteten 200 europäischen Medienvertretern zeigte, entsprach im Wesentlichen den Erwartungen.

Das neue iPhone ist leichter und dünner, das Display wurde etwas in die Länge gezogen, die Spracherkennung Siri kann nun das richtige Sushi-Restaurant zur richtigen Uhrzeit suchen und der schnelle Mobilfunkstandard LTE lässt die Daten noch schneller fließen. „Wir haben alle Aspekte des iPhones einem Update unterzogen“, sagte Schiller bei der Präsentation, die mehr durch technische Funktionen als durch die sonst von Apple gewohnten Visionen geprägt war.

„Wir wollten kein neues iPhone machen, sondern ein viel besseres“, sagte Marketing-Mann Schiller. „Apple war niemals stärker“, ergänzte Vorstandschef Tim Cook. Für ihn war es die erste Vorstellung eines neuen iPhones, die komplett in seinen Händen lag. Der Manager galt schon zu vor dem Tod von Firmengründer Steve Jobs im Oktober 2011 als das Zahlen-Genie im Hintergrund. Nur als Manager mit dem besonderen Erfindergen war Cook bislang nicht aufgefallen. Daran hat auch die Präsentation des iPhone 5 nichts geändert.

In die Fußstapfen von Steve Jobs tritt so schon eher Amazon-Gründer Jeff Bezos. Wie früher der charismatische Apple-Gründer verband Bezos in der vergangenen Woche die Vorstellung des neuen Kindle-Fire-Tablets mit einer Erkenntnis: „Die Menschen wollen Dienste, keine Gadgets“, sagte Bezos und präsentierte die neuen Tablets als besonders komfortable Ausgabegeräte für die Bücher, Filme und Songs aus dem Amazon-Universum.

Aber auch auf dem Smartphone-Markt kommen die Konkurrenten Apple immer näher. Das ebenfalls in der vergangenen Woche vorgestellte neue Nokia- Smartphone Lumia 920 mit dem neuen Windows-Phone-8-System verfügt über einen Bildschirm, der noch bei hellem Sonnenschein gut ablesbar ist und zudem mit Handschuhen bedient werden kann.

Wirtschaftlich gibt es für Apple allerdings keinen Grund, am eingeschlagenen Weg etwas zu ändern. Der Konzern steht kerngesund da. Allein im zweiten Quartal 2012 hat das Unternehmen 8,8 Milliarden Dollar verdient. Der Wert der Aktie ist seit Jahresbeginn um über 60 Prozent gestiegen. Mit dem Verkaufsstart des iPhone 5 werden entsprechend große Hoffnungen verbunden: Die US-Bank JP Morgan sieht in dem neuen Smartphone sogar eine Konjunkturspritze für die gesamte US-Wirtschaft.

An der Börse löste die Vorstellung der jüngsten Version von Apples wichtigstem Produkt keine größeren Ausschläge aus, der Kurs der Aktie legte leicht um ein Prozent zu. Daran konnte offensichtlich auch eine Drohung von Samsung nichts ändern. Die Koreaner stellten Apple Patentprozesse in Europa und den USA in Aussicht, falls das iPhone ebenfalls die superschnelle Funktechnik LTE einsetzt. Doch auf Konkurrenten gingen Cook und Schiller nicht ein, obwohl in dem ebenfalls neuen Mobilsystem von Apple nun nicht mehr das Kartenmaterial von Google verwendet wird. Die Karten stammen jetzt von Apple selbst. Auch ein Navigationssystem gehört dazu. Die Satellitenbilder, die auf dem iPhone 5 demonstriert wurden, erlauben sogar virtuelle Flüge um Gebäude wie Big Ben in London.

Auf den Markt kommt das iPhone 5 am 21. September, auch dieses Datum war vorher schon bekannt geworden. Die Preise bleiben auf dem Niveau des Vorgängers, als Partner hat Apple in Deutschland die Telekom, Vodafone und O2 gewonnen. Neue Fähigkeiten hat Apple dem iPhone nicht beigebracht, doch die zahlreichen Verbesserungen dürften für viele Apple-Fans Grund genug für einen Wechsel zum neuen Vorzeigehandy sein. Unter Analysten wird bereits damit gerechnet, dass Apple allein in der Woche nach dem Verkaufsstart zehn Millionen iPhones absetzen kann.

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