Wirtschaft : Das große Warten vor der Zinsentscheidung in den USA

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New York — Die USKonjunkturdaten der letzten Tage könnten verwirrender nicht sein. Da wächst die Wirtschaft viel langsamer als zuerst erwartet. Dann steigen die Hausverkäufe weiter, und auch der Verbraucher-Optimismus hält an. Daher verwundert es nicht, dass der Aktienmarkt auf der Stelle tritt. Zumal am Mittwoch mit einer Leitzinserhöhung zu rechnen ist. Auf Wochensicht gingen die führenden Aktienindizes nahezu unverändert aus der Börsenwoche: der 30 Standardwerte umfassende Dow-Jones-Index büßte 0,4 Prozent auf 10371,84 Punkte ein. Der technologieorientierte NASDAQ-Index ging mit 0,5 Prozent Anstieg auf 2025,47 aus dem Handel.

Den Aktien an den europäischen und amerikanischen Börsen winken nach Einschätzung von Marktteilnehmern in der kommenden Woche allerdings Kursgewinne. Grund für die Zuversicht ist die erwartete maßvolle Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Nachdem aus Sorge vor höheren Zinsen wochenlang Lethargie die Märkte lähmte, könnte nun eine Erleichterungsrallye bevorstehen, weil die Ungewissheit endlich vorüber ist. Meinen die Optimisten. „Die Anleger dürften nach der Zinsentscheidung den Blick wieder frei haben für andere Dinge, wie etwa die Entwicklung der Unternehmensergebnisse. Deswegen dürfte der Aktienmarkt danach wieder etwas Luft nach oben haben“, glaubt Oliver Plein von der Fondsgesellschaft Dit.

Gleichwohl sind kräftige Kursgewinne unwahrscheinlich. Die Ausgangslage sei zwar positiv, aber nicht überragend.Neben der Fed-Entscheidung wird nächste Woche auch eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten – darunter der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag – erwartet. Neben den Arbeitsmarktdaten dürfte der für Dienstag erwartete US-Verbraucher-Vertrauensindex Hinweise auf das künftige Verhalten der Konsumenten geben. Der private Konsum ist die wichtigste Stütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Für weiter anhaltende Zurückhaltung der Anleger könnte die Unsicherheit im Irak sorgen.

Nach Einschätzung von Banken- und Fondsexperten überschätzen die Märkte jedoch die Folgen der bevorstehenden Zinswende. Das ist das Ergebnis einer Handelsblatt-Umfrage unter den zehn größten Banken und vier größten Fondsgesellschaften in Deutschland. Während die internationalen Finanzmärkten bis zum Jahresende mit einem US-Leitzins von mindestens 2,25 Prozent und im Jahreslauf 2005 mit drastisch weiter steigenden Zinsen kalkulieren, gehen die befragten Fonds- und Bankenexperten von einem US-Leitzins von höchstens zwei Prozent zum Jahresende aus. Wegen des schwachen Wachstums in der Euro-Zone rechnet keiner der Bank- und Fondsstrategen damit, dass die Europäische Zentralbank bis zum Jahresende die Zinsen verändert. HB/pf

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