Wirtschaft : Das gute Stück wird über den Schreibtisch gehängt

HOLGER NACKEN ( HB)

DÜSSELDORF .Ein gebührendes Plätzchen für das Schätzchen: Dieter W.aus Oldenburg hat sich schon für eine Stelle über seinem Schreibtisch entschieden, die demnächst die hübsch gestaltete Aktie der Beate Uhse AG zieren soll.Der Handelsvertreter wird einer von vielen Anlegern sein, die sich das Erotik-Papier nicht allein aus Dividendengesichtspunkten zulegen.Experten rechnen damit, daß sich die Aktie auch als Wandschmuck oder als Geschenk großer Nachfrage erfreut."Auch Geldanleger wollen eben etwas zum anfassen oder angucken", meint dazu süffisant ein Banker.

Im Fachjargon heißen solche Aktien in Papierform "effektive Stücke".Diese sind eher die Ausnahme: Normalerweise werden gekaufte Aktien einfach auf dem Depot verbucht - ähnlich wie bei einem Girokonto, wo ja auch keine richtige Banknoten und Münzen lagern.

Beate Uhse hat 100 000 der insgesamt 8,4 Mill.Aktien zum Börsengang drucken lassen: "Wir rechnen mit einer großen Nachfrage" sagt Beate-Uhse-Finanzvorstand Ulrich Hülle."Effektive Stücke sind ein schöner Teil der Aktienkultur und für uns auch ein interessantes Marketinginstrument."

Den real existierenden Beate-Uhse-Aktien könnte eine ähnliche Karriere beschieden sein wie den Papieren der Achterbahn AG.Seit dem Börsengang des Verlags 1997 haben sich viele Fans der Comic-Figur "Werner" das Papier gekauft.Die Kieler haben mittlerweile rund 110 000 Stück ihrer Aktien drucken lassen."Wir hoffen darauf, daß sich der zu erwartende Ansturm auf die Beate-Uhse-Titel auch bei uns in einer höheren Nachfrage niederschlägt", sagt Sprecher Lutz Bienek.Die liebevoll gestalteten Aktien seien ein gutes Werbe-Instrument.Auch andere Unternehmen wie Porsche oder Euro Disney setzen auf den gleichen Trend und geben sich beim Design der Wertpapiere größte Mühe.Rund 10 Prozent des Aktienkapitals drucken die Unternehmen nach Börsenangaben als effektive Stücke.

Wer die Aktie seines Lieblingsunternehmens gerne mit nach Hause nehmen möchte, muß normalerweise den Weg über die Bank gehen.Die bestellt dann bei der Börse das Papier und händigt es dem Kunden aus.Die dafür verlangten Gebühren sind unterschiedlich: Die Commerzbank berechnet ihren Kunden 58 DM extra.Bei der Stadtsparkasse Köln sind es rund 35 DM.Dazu kommen dann in der Regel noch die Bankgebühren für das Börsengeschäft und die Makler-Courtage.Etwa drei Wochen dauert es bei den Kölnern, bis man das Papier am Bankschalter abholen kann.Bei ausländischen Werten, wie etwa bei der Playboy-Aktie, beträgt die Wartezeit etwa sechs Wochen.

Für ungeduldige Beate-Uhse-Freunde gibt es allerdings noch eine andere Möglichkeit, um in den Besitz der heißbegehrten Aktie zu gelangen.Zum Start des Börsenhandels am 27.Mai soll das Papier in den Geschäften des Unternehmens verkauft werden, dann sogar gerahmt.Die erste Auflage beträgt 2000 Stück.Voraussichtlicher Preis: zwischen 75 und 79 DM.Die Aktion sei allerdings unter dem Gesichtspunkt des Souvenircharakters zu sehen, betont Finanzchef Hülle.Man plane keineswegs den Einstieg in den Aktienhandel.

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