Wirtschaft : Das Hamburger Versandhaus kann auf eine 50jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken

DÜSSELDORF (val). Michael Otto ist ein erfolgreicher Sohn. Er hat den Betrieb seines Vaters Werner Otto an die Weltspitze geführt. Heute ist die Otto-Gruppe das größte Versandhaus überhaupt. Die Kataloge mit dem Slogan "Otto...find ich gut" erscheinen auf russisch, koreanisch und japanisch. Otto agiert mit 46 Handelsfirmen in 19 Ländern dieser Erde. Schon deswegen können Vater und Sohn am 17. August die Korken knallen lassen. An diesem Tag feiert Otto sein 50jähriges Jubiläum.Otto setzt heute 33 Mrd. DM um und beschäftigt weltweit 58 884 Mitarbeiter. Und die Otto-Gruppe wächst - der flauen Einzelhandels-Konjunktur zum Trotz. Dank der Erfolge im Spezialversand sind die Umsätze auch im vergangenen Jahr um 10,4 Prozent gestiegen. Michael Otto ist nicht der klassische Sohn im Schatten eines erfolgreichen Vaters. Werner Otto ist auch nicht der klassische Patriarch mit der steilen Karriere, an deren Anfang eine zündende Idee stand.Der Werdegang des Werner Otto begann mit einer Pleite. Im Jahre 1949 steht er auf dem Gelände seiner Schuhfabrik bei Hamburg und zieht Bilanz, was davon noch übrig ist: unbrauchbare Schuhmaschinen und 6000 DM. Der 40jährige entschließt sich, ein Versandhaus zu gründen, um seine Familie mit drei Kindern ernähren zu können. Er führt ein Sammelbestellsystem ein und geht damit neue Wege im Vertrieb. Im Gegensatz zu anderen Versendern verzichtet er auf Nachnahmesendungen und beliefert Kunden gegen Rechnung. Außerdem setzt er nicht auf den Preis, sondern auf Qualität - ein Prinzip, das bis heute zum Erfolgsrezept des Hamburger Hauses gehört.Bald schon hebt es sich von der Konkurrenz ab, die oftmals im Kundenkreis der sogenannten kleinen Leute stecken bleibt. Otto erobert neue Käuferschichten. Allein von 1965 bis 1976 kann er den Umsatz verdoppeln und zwar nicht durch Zukäufe, sondern durch Expansion des Geschäfts. Das Kapital beschafft er, indem er den Geldgebern Beteiligungen am Unternehmen anbietet - die Mehrheit der Gruppe befindet sich aber bis heute im Besitz der Familie.Anders als vielen Patriarchen der Nachkriegszeit gelingt Otto der Absprung aus seinem Unternehmen. Im Jahre 1966 übernimmt der familienfremde Unternehmer Günter Nawrath den Vorstandsvorsitz. "Werner Otto ist ein mutiger Mann", sagt Nawrath heute. Nicht nur habe er den Mut gehabt, aus Fehlern schnell die Konsequenzen zu ziehen. Er habe auch "auf die Management-Qualitäten anderer zu vertrauen" vermocht. Unter Nawrath entwickelt sich das Versandhaus zum Großunternehmen. Nawrath schafft die Basis für das internationale Geschäft, indem er sich 1974 an dem Versender 3 Suisses International beteiligt. Er macht Otto zu einem Konzern mit 450 Mill. DM Umsatz und 11 000 Mitarbeitern.Werner Ottos Sohn Michael gehört bereits unter der Ägide von Nawrath zehn Jahre lang zum Führungsteam, ist als Vorstand zuständig für den Einkauf. Im Jahr 1981 übernimmt er den Vorsitz. Otto Junior führt das Unternehmen an die Weltspitze und ins Internet. Der Spezialversender Sport-Scheck sowie die Reisebürokette Reiseland American Express gehören inzwischen zur Otto-Gruppe. Wie sein Vater gilt auch der 56jährige Sohn als große Unternehmerpersönlichkeit. Sein Umweltbewußtsein hat ihm viele Ehrungen beschert. Als andere Manager ökologisches Bewußtsein noch für eine Hysterie hielten, verbannte Otto Tropenhölzer und Pelze aus dem Sortiment. Manche nennen ihn deswegen "Otto, der Gute".

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