Wirtschaft : Das Handwerk muß umdenken

BERLIN (olm).Rund 200 000 Handwerksbetriebe in Deutschland sind auf der Suche nach einem neuen Chef.Der Wechsel wird nötig, weil Meister und Firmeninhaber das Rentenalter erreicht haben.Daß die Nachfolge nicht in jedem Fall störungsfrei zu regeln ist, kann bei der Größe des Problems nicht überraschen.Skeptiker der Branche gehen davon aus, daß bis zu 30 Prozent der betroffenen Handwerksbetriebe den Sprung ins nächste Jahrhundert nicht schaffen.Neben fehlenden Managementkapazitäten, zu hohen Ansprüchen der Firmeninhaber oder einer veralteten Unternehmenspolitik gehören vor allem auch Finanzierungsfragen zu den vielen Problemen, die vor einem Startwechsel gelöst werden müssen.

Dabei muß sich das an Traditionen gebundene und in großen Teilen nach überholten Schnittmustern funktionierende Handwerk den Vorwurf gefallen lassen, modernen Finanzierungsinstrumenten zu wenig Vertrauen entgegenzubringen.Noch immer gehört die Möglichkeit eine Beteiligung in Form von Wagniskapital einzugehen, zu den großen Ausnahmen im Handwerk.Wie Hans Koban, Vorstandsmitglied der Deutschen Ausgleichsbank, auf einer Veranstaltung der Deutschen Handwerks Zeitung am Wochenende in Berlin bestätigte, seien 70 Prozent der Betriebe an Wagsniskapital "nicht interessiert".Die Gründe dafür sind simpel.Die Nutzbarmachung von Fremdkapital - dazu gehört auch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft - setzt Mitsprache voraus.Die meisten der alten Firmeninhaber können sich aber nur schwer vorstellen, nach Jahren der Unabhängigkeit die Verantwortung mit Dritten zu teilen.

Dennoch kann die Aufnahme von Wagniskapital - eine Finanzierungsehe auf Zeit - durchaus günstiger sein als ein Kredit von der Bank.Bestes Argument für eine Beteiligung ist der damit verbundene Zwang zur Modernisierung.Wo die Banken das Engagement in aller Regel nur auf die Rückzahlung ihrer Forderungen ausrichten, sind die Kapitalgesellschaften vor dem Hintergrund der hohen Renditeerwartungen ihrer Einleger besonders an der Wertsteigerung des Betriebes interessiert.

Fest steht: Ohne frisches Geld wird sich im Handwerk wenig bewegen.Hans Koban rechnet vor, daß die Übernahme eines Unternehmens mit durchschnittlich 400 000 DM erheblich teurer als eine Neugründung.Wer sich dennoch auf das Risiko einläßt, muß außerdem mit zusätzlichen Investitionskosten rechnen, um den anstehenden Strukturwandel seiner Branche nicht zu verschlafen.Wie in der Industrie längst fester Bestandteil der Produktion, so bestimmt auch im Handwerk die Technik immer häufiger den Grat der Fertigungstiefe.Computergestützte Programme und intelligente Maschinen ersetzen die Handarbeit von Meistern, Gesellen und Lehrlingen.

Der technologische Schulterschluß des Handwerks, der Informations- und Kommunikationstechnologien als Basis für das nötige Know how mit einschließt, aber ist teuer.Hier könnte Wagniskapital - gepaart mit entsprechendem Fachwissen - für Starthilfe sorgen.Geld, das bestätigen die Kapitalgesellschaften, ist in genügender Menge vorhanden.

Dirk Elberskirch, Geschäftsführer der Firma "winWagniskapital für Innovationen" sieht eher das Problem, die im Umlauf befindlichen Milliardenbeträge sicher unterzubringen.Die Suche nach geeigneten Unternehmen ist nicht einfach.Elberskirch: "Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten."

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