Wirtschaft : Das holländische Software-Papier auf Achterbahnfahrt

Die Aktien des niederländischen Softwarehauses und einstigen Börsenlieblings Baan NV sind weiter auf Achterbahnkurs. Der Hersteller betriebswirtschaftlicher Standard-Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen hat auch durch Ankündigungen der letzten Zeit den Abwärtstrend nicht aufhalten können. Am Freitag ging nach eintägiger spektakulärer Erholung der Kurs wieder nach unten.

Zwei Tage hintereinander stand das gebeutelte Unternehmen im Rampenlicht der Börse: am Donnerstag war das Unternehmen Tagesgewinner, am Freitag führte es die Liste der Tagesverlierer an. Anlass für den zackigen Ausschlag waren Gerüchte über Übernahme-Interessenten und Investoren. Den Gerüchten folgten Dementis und damit Enttäuschung vieler Hoffnungen auf einen Ausweg aus dem Jammertal.

Personelle Probleme an der Spitze des einst mit dem Ziel europäischer Branchen-führung aufgetretenen Unternehmens begleiteten zu Beginn des Jahres Nachrichten über neue hohe Verluste. Nach nur sechsmonatiger Amtszeit gab Baan-Chefin Mary Coleman am 4. Januar den Versuch auf, das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Als das sechste Vierteljahr in Folge wieder mit roten Zahlen abschloss - (4. Quartal 1999: minus 250 Millionen Dollar) - sank der Aktienkurs um ein Drittel. Am 4. Januar kostete das Papier an der Börse in Amsterdam 9,44 Euro.

Aber die erhoffte Erholung trat auch mit neuen Leuten in der Vorstandsetage nicht ein. Im Gegenteil. Anfang März drohte die Börse in Amsterdam, Baan "auf die Strafbank" zu verbannen, weil die Kapitalbasis ausgehöhlt zu werden drohte. Der Kurs sank auf 6,01 Euro. Baan verkaufte Anteile, stärkte sein Kapital, sah sich von der "Strafbank" verschont und kündigte Umstrukturierungen an. Der leichte Kursanstieg auf 6,21 Euro deutete vorsichtig wachsendes Vertrauen der Anleger an.

Die Nachricht eines erneuten Verlusts in den ersten drei Monaten 2000 (26 Millionen gegenüber 19 Millionen Dollar ein Jahr zuvor) schwächte den Kurs wieder. Da tauchten neue Übernahmespekulationen auf und ließen an einem Tag die Aktie um 90 Prozent auf 3,06 Euro klettern, wenn auch von bescheidener Basis aus. Doch wieder entpuppten sich "Nachrichten" als Gerüchte oder zumindest als voreilige Schlussfolgerungen: Am Freitag hatte der Kurs bis Mittag erneut 9,8 Prozent verloren und lag bei 2,76 Euro. Am Morgen war er sogar noch weitere zehn Prozent niedriger gewesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben