Wirtschaft : Das Internet als Spaßfaktor

Corinna Visser

Das Internet ist immer offen. Dass man hier an 365 Tagen rund um die Uhr shoppen kann, gehörte zu den prominentesten Argumenten für einen Einkauf im Netz. Seit das Ladenschlussgesetz gefallen ist, hat das Argument an Überzeugungskraft verloren. Dennoch rechnen Experten mit einem weiterhin kräftigen Wachstum im Online-Handel. „Die längeren Ladenöffnungszeiten werden dem Online-Handel nicht schaden“, sagt Florian Koch, E-Business-Experte des Branchenverbands Bitkom, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Beide Handelsformen entwickeln sich in guter Koexistenz.“ Für das Einkaufen im Netz gebe es andere wichtige Angebotsfaktoren, der wichtigste sei der Preis.

„Wir gehen davon aus, dass in diesem Weihnachtsgeschäft rund acht Milliarden Euro im Internet umgesetzt werden“, prognostiziert Koch für den deutschen Markt. Die Online-Händler machen rund ein Fünftel ihres Geschäfts in den Monaten November und Dezember. Für das Gesamtjahr erwartet der Bitkom im elektronischen Handel mit Privatkunden in Deutschland einen Umsatz von 40 Milliarden Euro. Darin sind allerdings auch Dienstleistungen wie etwa Reisebuchungen über das Netz enthalten. Gemessen am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels von rund 390 Milliarden Euro ist das nach wie vor ein geringer Anteil. Doch die Wachstumsraten sind eindrucksvoll: 25 Prozent in diesem Jahr und für 2007 geht der Bitkom nochmals von einer deutlich zweistelligen Umsatzsteigerung aus.

Ein Grund für das starke Wachstum sei, dass das Einkaufen im Internet immer attraktiver werde. „Die stärkere Verbreitung von Breitbandanschlüssen ist ein Motor für die Entwicklung“, sagt Koch. „Wir erwarten, dass es Ende des Jahres in Deutschland gut 14 Millionen breitbandige Internetanschlüsse geben wird.“ Schneller Zugang macht zwar Produkte und Preise nicht besser, wohl aber das Einkaufserlebnis. „Die emotionale Komponente kommt stärker zum Tragen“, sagt Koch. So muss man mit einem schnellen Zugang nicht lange darauf warten, bis ein Bild oder ein kurzer Film des gewünschten Produkts geladen ist.

Nicht nur die Auswahl an Produkten ist riesig. Auch die Zahl der Shops. Etwa 50 000 deutsche Multichannel-Händler bieten ihre Waren im Netz an. Das sind Händler, die sowohl ein traditionelles Geschäft als auch einen Online-Shop haben. „Auch kleinere Händler haben durch den Vertrieb im Netz die Chance, bessere Preise anzubieten“, sagt Koch. „Denn sie können durch die größere Verbreitung Mengenvorteile erzielen.“

Die 30- bis 40-Jährigen sind zwar nicht die zahlreichste Gruppe im Netz. Aber sie geben dort das meiste Geld aus. Und wofür? Nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels vor allem für Bekleidung, Textilien und Schuhe. Erst danach folgen Bücher, CDs, DVDs und Unterhaltungselektronik. „Deutschland hat eine lange Tradition im Versandhandel“, erklärt Koch. „Auch bei Katalogbestellungen stehen Textilien ganz oben auf der Einkaufsliste. Das setzt sich im Netz fort.“

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