Wirtschaft : Das ist die Berliner Luft

IATA-Konferenz und Ila: Die Flugzeugbranche feiert sich selbst. Aber die geplante Abgabe in Deutschland trübt die Stimmung

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Bodenständig. Schönefeld ist bereit für den Ansturm der Besucher. Dort wartet auch ein neuer Riesen-Airbus der Airline Emirates.Foto: dpa Foto: dpa
Bodenständig. Schönefeld ist bereit für den Ansturm der Besucher. Dort wartet auch ein neuer Riesen-Airbus der Airline...Foto: dpa

Berlin - Berlin ist dieser Tage ohne Übertreibung die Hauptstadt der Flugzeugwelt. Grund dafür ist, dass sich am heutigen Dienstag eher zufällig zwei der wichtigsten Ereignisse der Industrie überschneiden. Dieser Umstand ermöglicht einen umfassenden Blick auf den Zustand der gesamten Branche. Da ist zum einen der Jahreskongress des Weltluftfahrtverbandes IATA, der am Sonntagabend im Hotel Intercontinental begann und am heutigen Abend zu Ende geht, und die „Ila Berlin Air Show“ auf dem südlichen Teil des Flughafens Schönefeld. Europas größte Luft- und Raumfahrtmesse in diesem Jahr soll am Vormittag mit dem Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell eröffnet werden.

Beim IATA-Kongress beraten rund 800 Topmanager der Fluggesellschaften erstmals seit 1985 wieder in Deutschland über jüngste Entwicklungen der Branche. Im Zentrum der Debatten standen bisher die Einbrüche bei Passagierzahlen im Zuge der Weltwirtschaftskrise und wegen des isländischen Vulkans. Während die Fluggesellschaften in diesem Jahr im globalen Schnitt erstmals seit 2007 wieder schwarze Zahlen schreiben dürften – konkret 2,5 Milliarden Dollar –, würden Europas Fluggesellschaften weiter Verluste machen, erklärte IATA-Generalsekretär Giovanni Bisignani am Montag. Gründe seien die anhaltende Konjunkturschwäche – und der Vulkan.

Der scheidende Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bestätigte in einem Gespräch am Morgen den Trend für seine Gesellschaft. Die Auslastung im Frachtgeschäft und bei den Interkontinentalflügen steige bereits wieder, innereuropäische Verbindungen entwickelten sich dagegen noch schwach. Zudem gelänge es wegen des hohen Wettbewerbs derzeit kaum, höhere Ticketpreise durchzusetzen. Unterm Strich aber werde Lufthansa am Jahresende ein besseres operatives Ergebnis als im Vorjahr abliefern.

Da wusste Mayrhuber allerdings noch nichts von dem Plan der Bundesregierung, für alle ab Deutschland startenden Flüge eine Sonderabgabe zu erheben. Das teilte Merkel erst am Nachmittag mit: „Sollte das zutreffen, wäre das ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“, sagte eine Sprecherin im Anschluss an Merkels Pressekonferenz. Die Politik versuche hier, mit einem untauglichen Mittel Haushaltslöcher zu stopfen. Damit schwäche sie den gerade aufkeimenden Aufschwung an einer seiner sensibelsten Stellen.

Positiver scheint die Stimmung bei den Herstellern von Fluggerät zu sein. Zur Einstimmung auf den Ila-Eröffnungstag sprach Tom Enders, Airbus-Chef und Präsident des gastgebenden Industrieverbandes BDLI, von der „stärksten Beteiligung in der 100-jährigen Geschichte der Ila“. 1153 Aussteller aus 47 Ländern haben in Schönefeld ihre Stände auf 250 000 Quadratmetern aufgebaut, was der Fläche von 35 Standard-Fußballfeldern entspricht. Besucher können 300 Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen, Satelliten und Trägersysteme sehen, darunter Messe-Weltpremieren wie den Militärtransporter Airbus A 400M, der zumindest während der Fachbesuchertage vor Ort sein wird.

Für den Rundgang der Kanzlerin heben die Veranstalter sogar die Mittagsruhe auf, die es Piloten besonders lauter Flieger untersagt, zwischen 12.30 Uhr und 14.30 Uhr ihre Runden über den Gemeinden um Schönefeld zu drehen. So soll die Kanzlerin auch die beliebte Schweizer Kunstflugstaffel „Patrouille Suisse“ und den EADS-Kampfjet Eurofighter bestaunen können.

Als Enders im Roten Rathaus neben Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) sitzend gefragt wurde, warum sich sein Verband vergangenen Freitag dazu entschlossen hat, die Ila ab 2012 weiter in der Region zu belassen und doch nicht nach Leipzig zu geben, sagte der Airbus-Chef: „Der Nachteil von Leipzig ist, dass Leipzig nicht Berlin ist.“ „Das zumindest können Leipzigs Oberbürgermeister und ich bestätigen“, fügte Wowereit trocken hinzu. mit -du, dpa

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