Wirtschaft : Das Kapital kauft ein

Internationale Beteiligungsfirmen investieren – und wehren sich gegen ihr schlechtes Image

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In südbadischen Bötzingen geht die Angst um: InsolvenzVerwalter Jobst Wellensiek will den angeschlagenen Autozulieferer Peguform verkaufen und damit retten. Die Verhandlungen mit der US-Gesellschaft Cerberus sind hart. Die Kaufbedingung: Peguform muss die Kosten drastisch senken und 500 der 1600 Arbeitsplätze streichen.

Cerberus gehört zu den Firmen aus den USA oder Großbritannien, die bei Versicherungen, Pensionskassen und privaten Investoren Milliarden einsammeln und das Geld in Unternehmen stecken, die marode sind oder verkauft werden sollen. Private Equity heißt das Wort, das Arbeitnehmer mitunter erschaudern lässt, den Investoren oft ansehnliche Renditen beschert und langfristig – so ist sich Thomas Kühr, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Kapitalbeteiligungsgesellschaften, sicher – den Bankkredit ablösen wird.

„Geier“ werden vor allem große angelsächsische Private Equity-Fonds wie Cerberus, Permira, Blackstone oder Kohlberg, Kravis&Roberts (KKR) gerne gescholten. 2004 gab es so viele spektakuläre Geschäfte wie nie zuvor: Blackstone schließt den Kauf des Chemieherstellers Celanese für 3,1 Milliarden Euro ab, KKR übernimmt Dynamit Nobel für 2,3 Milliarden Euro und wenig später Auto-Teile-Unger für 1,45 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr hat sich die Zahl der Geschäfte fast um ein Drittel erhöht. Mehr als 17 Milliarden Euro haben deutsche und ausländische Private Equity-Firmen hierzulande investiert. 40 Prozent aller Übernahmen in Deutschland entfallen auf Private Equity.

Noch spielen deutsche Firmen wie die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) die Hauptrolle, vor allem bei Investitionen im Mittelstand. 18 Milliarden Euro hatten sie Ende 2003 in 5000 kleineren und mittelgroßen Firmen investiert, die 400000 Mitarbeiter zählen. Doch der Anteil deutscher Fonds schwindet: Im ersten Halbjahr lag er bei 39 Prozent, vor Jahresfrist war es noch die Hälfte. Da immer mehr Konzerne milliardenschwere Randaktivitäten auslagern und Börsengänge zurzeit praktisch unmöglich sind, kommen jetzt die Großen der Branche zum Zuge.

„Der Mittelstand ist nicht der Motor für Private Equity“, sagt Thomas Krenz, Chef von Permira Deutschland. „Dort herrscht eine eigene Mentalität.“ Nachholbedarf gebe es vor allem in der Oberliga der Industrie. Hier seien bisher im internationalen Vergleich „lächerlich wenig“ große Deals abgeschlossen worden. Ein Schnäppchenmarkt ist Deutschland deshalb trotzdem nicht mehr. „Das war vor zehn Jahren so“, sagt Heino Meerkatt, Geschäftsführer bei Boston Consulting. Da sich an den Bieterverfahren alle großen Fonds beteiligten, „liegen auch die erzielten Preise auf internationalem Niveau“.

Um so größer ist der Druck auf die Fonds, eine für die Geldgeber attraktive Rendite zu erzielen. 20 bis 30 Prozent sollten es schon sein, wenn die Unternehmen nach einigen Jahren wieder verkauft oder an die Börse gebracht werden. „Von zehn Deals bringen acht eine Rendite von 25 Prozent, einer ist besser, einer geht in die Hose“, rechnet ein Manager vor. Eine gute Rendite und ein lukrativer Verkauf aber sind nur möglich, wenn die Firmen gesund sind und Perspektive haben. Deswegen trifft der Vorwurf „Geier“ nur Einzelfälle. Die strategische Neuausrichtung sei mittlerweile wichtiger als allein die Kosten zu senken, sagt Berater Meerkatt.

„Private Equity-finanzierte Firmen wachsen schneller“, glaubt DBAG-Vorstand Wilken von Hodenberg. Bei Autozulieferern, so eine DBAG-Studie, entstehen dabei unter der Regie von Finanzinvestoren pro Jahr im Schnitt fast sieben neue Jobs. Dass die Investoren „Plattmacher“ sind, die sich auf Kosten der Belegschaften bereichern, behaupten selbst die Gewerkschaften nicht. Die Mitbestimmung, heißt es bei der IG Bergbau Chemie Energie, sei kein Investitionshindernis. Aber: „Gerade angelsächsische Finanzinvestoren begegnen deutschen Arbeitnehmervertretern zuerst mit Unverständnis“, sagt Ulrich Eckelmann, Leiter der Wirtschaftsabteilung im IG Metall-Vorstand. „Da ist viel Aufklärung nötig.“

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