• Das KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ läuft aus Der Staat fördert barrierefreie Wohnungen – laut Kabinettsbeschluss aber nur noch dieses Jahr

Wirtschaft : Das KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ läuft aus Der Staat fördert barrierefreie Wohnungen – laut Kabinettsbeschluss aber nur noch dieses Jahr

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Wer sein Haus oder seine Wohnung altersgerecht umbauen will und dabei mit staatlichen Fördermitteln liebäugelt, muss sich möglicherweise beeilen. Nach dem jetzt vom Bundeskabinett beschlossenen Haushalt für das Jahr 2012 und der Finanzplanung bis 2015 werden die Mittel für dieses beliebte Förderprogramm komplett gestrichen. Das Geld (bisher rund 100 Millionen Euro pro Jahr) wird andersweitig gebraucht.

Bisher hatte der Staat die Lebens- und Wohnbedingungen der älteren Menschen im Fokus, nicht ohne Grund: Denn kaum etwas ist in Deutschland so knapp wie altersgerechter Wohnraum. Nach Erhebungen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe sind gerade einmal 1,4 Prozent aller Wohnungen hierzulande barrierefrei oder wenigstens ausreichend barrierearm. Andererseits: Im Jahr 2020 wird jeder vierte Deutsche 65 Jahre oder älter sein. Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) befürchtet deswegen eine „graue Wohnungsnot“. BFW-Präsident Walter Rasch verlangte, das KfW-Programm über 2011 hinaus fortzuführen, denn es leiste „einen wichtigen Beitrag, älteren Menschen einen möglichst langen Verbleib in ihrer angestammten Wohnung zu ermöglichen“. Auch Axel Gedaschko, Vorsitzender der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) und Präsident des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, kritisierte den Kabinettsbeschluss. „Das KfW-Programm ,Altersgerecht umbauen’ ist ein wichtiger Baustein, um Barrierereduktion in den bestehenden Wohnimmobilien zu erreichen“, sagte er. Im Bundeshaushalt 2012 seien jedoch keine Mittel mehr für dieses Programm vorgesehen. „Angesichts der großen Aufgabe, den Wohnungsbestand an die zukünftigen Herausforderungen der Gesellschaft anzupassen, ist dies nicht angemessen“, sagte Gedaschko.

Gefördert wird anno 2011 jedenfalls noch über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, besser bekannt unter dem Kürzel KfW. Das Programm „Altersgerecht umbauen“ gilt für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern und für Wohnungsbesitzer. Nicht gefördert werden Umbauten in Freizeit- oder Ferienwohnungen und in gewerblichen Einheiten. Jedoch können auch Mieter an dem Umbauprogramm teilnehmen, allerdings muss zuvor mit dem Hausbesitzer eine Modernisierungsvereinbarung geschlossen werden – darauf hat ein Mieter Anspruch.

Aber es bleibt bei der Devise: Dalli, Dalli! Denn alle Förderanträge müssen eingereicht und beschieden sein, bevor die Umbaumaßnahmen beginnen. Und das Jahr 2011, in dem die bisherigen Förderbedingungen noch gelten, ist schon halb herum. „Noch sind ausreichend Mittel da“, heißt es bei der KfW in Frankfurt am Main.

Das Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“ ist deshalb so interessant, weil sich auch anstehende Komplettsanierungen in Wohnungen und Eigenheimen auf elegante Art mit den Umbauten zu barrierefreien Wohneinheiten kombinieren lassen. Aus Alt mach Neu, und der Staat zahlt mit: Für das neue Bad gibt es also Zuschüsse, wenn Dusche, Waschtisch und Wanne von Menschen mit Handicaps genutzt werden sollen, die neuen Bodenfliesen sollten rutschhemmend sein. Neue Türen müssen breit genug sein für Rollstühle. Auch Einbauküchen können nach dem Förderplan der KfW ausgetauscht werden, wenn sie den Normen für altersgerechtes Wohnen entsprechen.

Und noch mehr ist förderwürdig, zum Beispiel Treppensanierungen und selbst die Verbreiterung eines Autostellplatzes auf behindertenfreundliche Dimensionen – aber das ist eine Wissenschaft für sich. Auf jeden Fall sollten sich die Bauherren von den beauftragten Architekten oder Handwerkern bestätigen lassen, dass die projektierten Umbaumaßnahmen den KfW-Förderrichtlinien entsprechen. Sonst kann es unangenehme Überraschungen geben, weil es wirklich auf exakte Zentimetermaße ankommt. Die Förderbank KfW behält sich übrigens Kontrollen vor Ort und Einblick in die Bauunterlagen vor.

Das ist der Lohn für schnelles Handeln: Die KfW fördert die altersgerechten Umbauten entweder mit einem Zuschuss (nach dem Förderprogramm 455) oder mit zinsgünstigen Darlehen (Programm 155). Die Kreditanstalt finanziert bei Darlehen bis zu 100 Prozent der förderfähigen Umbaukosten einschließlich der Nebenkosten für Architekten oder Beratung bis zum Höchstbetrag von 50 000 Euro je Wohneinheit. Wie bei den meisten KfW-Krediten können auch hier zu Beginn tilgungsfreie Jahre vereinbart werden. Der Zinssatz richtet sich nach den Konditionen zum Zeitpunkt der Antragstellung, aktuell sind es 1,95 Prozent fest auf zehn Jahre. Die Laufzeit kann bis zu 30 Jahre betragen.

Abgewickelt werden die KfW-Förderdarlehen stets über Kreditinstitute, am besten über die Hausbank des Antragstellers. Die Bank bewertet dabei auch die Bonität des Antragstellers und verlangt die üblichen Kreditsicherheiten. Und: Sie achtet darauf, dass der Antragsteller alle erforderlichen Unterlagen zusammenhat – also Angebote und Bescheinigungen des Architekten oder des ausführenden Baubetriebes. Beratungen und Planungsarbeiten gelten übrigens noch nicht als Baubeginn. Sind die Anträge erst einmal genehmigt und die Fördermittel bewilligt, hat der Umbauwillige das wichtigste Etappenziel erreicht. Bei einer Antragstellung „bis spätestens Mitte Dezember 2011“, so heißt es bei der KfW, wird noch alles im grünen Bereich sein.

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