Wirtschaft : Das knappe Gut Kredit

Wer frisches Geld braucht, muss in Zukunft an seinem Rating arbeiten.

Peter Sissovics
Alles richtig gemacht. Neben einem guten Rating ist die Verbesserung der Eigenkapitalstruktur das A und O für Unternehmen. Foto: Gina Sanders/Fotolia
Alles richtig gemacht. Neben einem guten Rating ist die Verbesserung der Eigenkapitalstruktur das A und O für Unternehmen. Foto:...Foto: Gina Sanders Fotolia

Am 16. Dezember 2010 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sein Reformpaket „Basel III“, ab 2014 soll es international umgesetzt werden. Basel III erweitert die bisherigen Regelwerke Basel I und Basel II. Notwendig wurden die verschärften Regeln durch die 2008 aufgekommene Wirtschafts- und Finanzkrise. Basel III soll das global vernetzte Finanzsystem stabilisieren, um Risiken für künftige Krisen einzudämmen – eine Übersicht.

Mit Basel III sind Banken künftig verpflichtet, mehr Eigenkapital auszuweisen. Dieses soll ab dem kommenden Jahr statt wie bisher acht Prozent (Basel I und Basel II) 10,5 Prozent betragen. Ein Problem für die Banken – gerade wenn Sparer ihr Geld aus Mangel an Vertrauen lieber unter dem Kopfkissen horten. Für die kapitalmarktfinanzierten Banken ist es außerdem nicht so leicht, mal eben eine Kapitalerhöhung zu arrangieren.

Durch die höheren Eigenkapitalanforderungen wird auch die Verschuldungsobergrenze reduziert und die „Ausleihfähigkeit“ der Banken eingeschränkt. Das knappe Gut Kreditmittel muss dann teurer werden.

Die Möglichkeit, kurzfristig verfügbare Einlagen von Sparern und anderen Banken zu sammeln und in längerfristige Kredite umzuwandeln, gehörte bisher zu den Kernaufgaben einer Bank. Auch sollen Banken für Stress-Situationen künftig zumindest für 30 Tage ausreichend Liquidität besitzen. Das macht Langfristkredite teurer und schränkt die Möglichkeiten zur Fristentransformation ein. Ob allerdings eine 30-Tage-Frist ausreichend ist, stellt sich erst im Krisenfall heraus.

Ratings von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) werden zunehmend wichtiger. Die Vergabe von Krediten an Kreditnehmer mit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit (schwaches Rating) wird schwieriger und für solche Kreditnehmer vor allem teurer.

Aus diesen und weiteren Gründen befürchten viele Mittelständler per se Schwierigkeiten, an „fresh money“ zu kommen – obwohl derzeit noch nie so viel Geld auf die hohe Kante gelegt wurde und die Zinsen im absoluten Tief sind. Doch die Sorge ist grundsätzlich unbegründet: Mittelstandskredite werden unter Basel III wie bisher bei der Eigenkapitalunterlegung nur mit 75 Prozent gewichtet. Kredite bis 1,5 Millionen Euro gelten künftig ebenfalls als Mittelstandskredite; bisher lag die Grenze bei einer Million Euro – eine Vergünstigung für Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 50 Millionen Euro.

Eigentlich positiv. Doch selbst ein kleiner 30-Mann-Industriezulieferer benötigt schon mal schnell fünf bis zehn Millionen Euro als Kredit für seine Maschinen oder Vorräte und wird dann mit hundert Prozent beim Eigenkapital der Bank gewichtet. „Die Versorgung des Mittelstandes mit bezahlbaren Krediten durch die Finanzinstitute ist entscheidend für die Konkurrenzfähigkeit unserer KMU im weltweiten Wettbewerb“, sagt Peter Mockler, Managing Partner und CEO des internationalen Beratungsunternehmens Bearingpoint. „Kunden und Banken müssen hier eng zusammenarbeiten, um unter den Anforderungen von Basel III das aktuell niedrige Zinsniveau optimal nutzen zu können.“

Doch wie ist nun der Weg zum Kredit? Es lohnt sich, das Gespräch mit dem Bankberater zu suchen, um Maßnahmen zur Verbesserung des Ratings zu besprechen. Die Kreditkosten können mit einem besseren Rating dann auch etwas gesenkt werden. Außerdem wichtig: die Verbesserung der Eigenkapitalstruktur eines Mittelstandsbetriebes, zum Beispiel durch die Umwandlung von langfristigen Verbindlichkeiten in kurzfristige. Denn oft kann ein langfristiger Kreditbedarf durch günstige Förderkredite (KfW – ERP und andere) ersetzt werden. Weil diese Kredite über die Hausbank beantragt werden, gibt es dort Förderspezialisten.

Eigenkapitalähnliche Gesellschafterdarlehen, stille Beteiligungen und Genussrechte sind ebenfalls Möglichkeiten, Wege aus der Eigenkapitalschwäche zu suchen. Auch das Leasing von kurzlebigen Wirtschaftsgütern oder das Factoring der Unternehmensforderungen verbessert die Eigenkapitalbasis. Beim Factoring besteht aber gerade für kleine und mittelständische Betriebe das Risiko, wegen des Wegfalls variabler Zahlungsziele Stammkunden zu verlieren. Besonders ungünstig ist die Reduzierung nicht gezogener Kreditlinien. In Krisenzeiten sind diese Gold wert, die Neuvereinbarung bei Bedarf oft gar nicht mehr möglich. Und „der Kunde sollte auch in schwierigen Zeiten seiner Hausbank reinen Wein einschenken“, sagt Rainer Schwab, Vorstand der Volksbank Möckmühl-Neuenstadt in Süddeutschland. „Nur dann wächst eine langfristig vertrauensvolle Kreditbasis.“

Kurzum, die Kreditversorgung bleibt, aber „Kredite werden teurer, sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher“, sagt der Ökonom Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München. Peter Sissovics

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