Wirtschaft : „Das können wir nicht hinnehmen“

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Berlin - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will härter durchgreifen. Die Verhaltensregeln für Mitarbeiter sollen deutlich verschärft werden. Dafür hat Siemens ein neues Gremium eingerichtet, dass die laufenden Arbeiten in diesem Zusammenhang koordinieren soll. „Wir müssen Unregelmäßigkeiten schonungslos aufklären und ahnden“, sagte Kleinfeld am Donnerstag. Mitarbeiter, die Verhaltensvorschriften missachten, schadeten Siemens in jeder Hinsicht. „Das können wir nicht hinnehmen“, sagte Kleinfeld. Mitarbeiter, bei denen sich der Verdacht auf ein ungesetzliches Verhalten erhärte, würden unmittelbar suspendiert.

Schon bisher gab es bei Siemens eine so genannte Compliance-Abteilung, die die Einhaltung der Verhaltensregeln überwacht. Weltweit sind einige hundert Mitarbeiter in dieser Abteilung tätig. Der oberste Verhaltenswächter ist Albrecht Schäfer. Er berichtet direkt an Jürgen Radomski, der im Zentralvorstand den Personalbereich verantwortet. Bisher müssen die Führungskräfte im Konzern alle zwei Jahre unterschreiben, dass sie die Regeln kennen und einhalten. Derzeit, so teilte Siemens jetzt mit, werde das System „auf Lücken und Umgehungsmöglichkeiten“ überprüft.

Am Wochenende berief Siemens zusätzlich einen externen Ombudsmann. Mitarbeiter sollen sich „anonym und vertrauensvoll“ an Rechtsanwalt Hans-Otto Jordan von der Nürnberger Kanzlei Dr. Beckstein & Kollegen wenden können, „wenn sie unkorrekte Geschäftspraktiken im Unternehmen beobachtet haben“. Ob dort bereits Hinweise eingegangen sind, sagt Siemens nicht. Noch werde daran gearbeitet, wie die Arbeit von Jordan vernünftig organisiert werden kann.

2001 führte Siemens neue „Business Conduct Guidelines“ ein, Regeln zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung. Sie schreiben Vorstand und Aufsichtsrat verbindliche Regeln für gesetzestreues Verhalten, für die Behandlung von Interessenkonflikten, den Umgang mit Firmeneinrichtungen sowie für Insider-Geschäfte vor. Anlass war die Börseneinführung des Unternehmens an der New Yorker Wall Street. Offenbar fürchtet der Konzern jedoch, dass sich neben den Münchner Staatsanwälten auch die US-Börsenaufsicht SEC für die schwarzen Kassen im Konzern interessieren könnte. Derzeit ist eine amerikanische Kanzlei damit beauftragt zu überprüfen, ob die Business Conduct Guidelines auch den strengen amerikanischen Regeln genügen. vis

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