Wirtschaft : „Das können wir schon sehr gut“

ABB bildet in Berlin die Fachkräfte von morgen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut sich um

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Berlin - Erst seit vergangenem Mittwoch tragen sie ihre Blaumänner, die großen Hallen mit den vielen komplizierten Maschinen sind den 178 Jugendlichen noch fremd. Im Trainingszentrum des Schweizer Technologiekonzerns ABB in Pankow werden sie zu Mechatronikern, Anlagenmechanikern oder Produktdesignern ausgebildet. Insgesamt 513 Azubis aus 120 Betrieben lernen hier in der sogenannten Verbundausbildung. Viele kleine und mittelständische Betriebe, die die Ausstattung für eine umfassende Ausbildung selbst nicht haben, schicken ihre Lehrlinge in das Zentrum von ABB.

Am Freitag stehen die 500 Jugendlichen Spalier, in den oberen Stockwerken drängen sie sich an den Fenstern. Sie warten auf die Kanzlerin, die das Ausbildungsjahr feierlich eröffnen soll. Als Angela Merkel aus dem schwarzen Audi aussteigt, wird es still. In der Produktionshalle drängen sich die Kamerateams um die Kanzlerin, die sich in aller Ruhe von den Azubis die Maschinen erklären lässt und dabei nach ihrem Werdegang fragt.

„Wie viele Bewerbungen haben Sie geschrieben?“, fragt sie die Lehrlinge an der Drehmaschine. Und ist erstaunt, wie wenige es sind, drei sagt einer, vier ein anderer, zwölf ein dritter. „Und lernen Sie hier auch Englisch?“, fragt sie den Jugendlichen, der ihr eine Sortiermaschine erklärt. „Das können wir eigentlich schon sehr gut!“, gibt er selbstbewusst zurück. Und auch sonst bekommt die Kanzlerin ehrliche Antworten. „Wie gefällt es Ihnen in der Berufsschule?“ fragt sie einen Azubi. „Man macht das Beste draus“, antwortet er. Der Ausbildungsleiter klagt über zu wenige Lehrer.

Im Ausbildungszentrum in Pankow scheint der Fachkräftemangel weit weg. Hier sind alle Ausbildungsplätze besetzt, es sind mehr Azubis als im Vorjahr. Insgesamt arbeitet das Unternehmen mit 200 Firmen und Schulen zusammen, die ihre Lehrlinge nach Pankow schicken. 900 Jugendliche wurden getestet, um die 178 Stellen zu besetzen. Markus Ochsner, Arbeitsdirektor bei ABB Deutschland, räumt ein, dass die Leistungen in den klassischen Fächern wie Deutsch und Mathematik schlechter seien als früher. „Dafür bringen die Jugendlichen heute mehr Kenntnisse bei IT und Computern mit.“

Damit sich genügend Jugendliche für die Ausbildungsberufe interessieren, kooperiert das Ausbildungszentrum in Pankow mit Berliner Schulen. Fünftklässler dürfen für einen Tag in das Ausbildungszentrum kommen, um zu sehen, was man dort lernen kann, ältere Schüler können Praktika machen.

Angela Merkel will an diesem Freitag die guten Seiten des Fachkräftemangels sehen. „Ihr seid begehrter, als ihr es vielleicht vor zehn oder 20 Jahren wart“, sagt die Kanzlerin. „Das ist eigentlich eine der chancenreichsten Situationen, die man sich vorstellen kann.“ Um das zu belegen, hat sie Zahlen der Bundesagentur für Arbeit mitgebracht: Ende August waren noch 91 400 angebotene Lehrstellen unbesetzt – 21 100 mehr als im Vorjahr.

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