• Das Leben wird wieder teurer DDR-Image verkauft sich noch London besteuert Banker-Boni Schäuble trifft morgen Ackermann-Initiative

Wirtschaft : Das Leben wird wieder teurer DDR-Image verkauft sich noch London besteuert Banker-Boni Schäuble trifft morgen Ackermann-Initiative

Verbraucherpreise steigen im November um 0,4 Prozent / Experten erwarten für 2010 eine milde Inflation Rund 17 Prozent der alten ostdeutschen Marken haben bis heute überlebt

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Foto: p-a/dpadpa-Zentralbild

Berlin - Gemüse ist nicht nur gesund, sondern auch preiswert: Paprika, Salat, Kartoffeln und Möhren waren im November rund ein Fünftel billiger als noch vor einem Jahr. Fürs Frühstück mussten Verbraucher hingegen tiefer in die Tasche greifen. Honig und Butter wurden teurer. Generell sanken die Preise für Lebensmittel im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Insgesamt stiegen die Lebenshaltungskosten aber gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,4 Prozent. Die Statistiker korrigierten damit ihre Prognose für die jährliche Teuerungsrate um 0,1 Prozent nach oben. Die Inflationsrate lag erstmals seit Juni dieses Jahres wieder im positiven Bereich. Freuen konnten sich auch Technikfans: Computer waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November 17,8 Prozent günstiger, Notebooks 11,7 Prozent und Fernseher sogar 23,1 Prozent. PC-Software wurde dagegen fast um die Hälfte teurer.

Starken Einfluss hatten auch die Energiepreise. Sie gingen im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent zurück und drückten so die Inflationsrate um 0,3 Prozent. Besonders Gas (minus 18,7 Prozent) und Heizöl (minus 14,9 Prozent) verbilligten sich. Strom und Kraftstoff wurden dagegen um rund sechs Prozent teurer. Besonders betroffen war hierbei Superbenzin, dessen Preis im November 9,6 Prozent höher lag als im Vorjahresmonat. Auch die Nettokaltmieten stiegen leicht. Für Raucher erhöhten sich die Preise erneut: Im Vergleich zu November 2008 kosteten Tabakwaren rund fünf Prozent mehr.

Nach Angaben der Statistiker hatten im November viele Preise auch im Vergleich zum Vormonat auffällig angezogen – trotz des insgesamt leichten Rückgangs der Inflation. Leicht teurer waren Energie ( plus 0,6 Prozent) und Nahrungsmittel (plus 0,5 Prozent). Bei den Lebensmitteln betraf das vor allem Milchprodukte, bei der Energie vor allem Kraftstoffe, teilte das Statistische Bundesamt mit. Günstiger zu haben waren dagegen Pauschalreisen, Hotel-Übernachtungen und Kleidung.

Für die nächsten Monate sagen Wirtschaftsexperten eine milde Inflation voraus. „Die Zeiten sinkender Preise sind zwar vorbei“, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen. „Aber auf die Verbraucher kommt nur einer minimale Teuerung zu.“ Der Sachverständigenrat erwartet 2010 eine Inflationsrate von 1,2 Prozent. Grund für vergleichsweise geringen Preisauftrieb sei die schwache Nachfrage, sagte Carstensen: „Die Firmen können mehr produzieren als der Markt im Moment aufnehmen kann. In einer solchen Situation können Preiserhöhungen kaum durchgesetzt werden.“ jmi

Erfurt - Sie haben überlebt. Rotkäppchen, Spee und Florena, sind nur drei von rund 120 DDR-Marken, die auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer in den Regalen der Supermärkte zu finden sind. 120 von einst 700 Marken – eine Überlebensquote von rund 17 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie der „Empirischen Gesellschaftsforschung“, das die MDR-Werbung in Auftrag gegeben hatte und die am Mittwoch in Erfurt vorgestellt wurde. Derzeit gebe es einen starken „Retrotrend“, schreibt Christian Duncker, Autor der Studie.

Als wichtigsten Erfolgsfaktor der eigenen Marke nennen die mehr als 80 befragten Markenmanager der Unternehmen mit 80 Prozent das Vertrauen und die „Bekanntheit aus der Vorwendezeit“. Erst mit deutlichem Abstand folgen die Erfolgsfaktoren „Qualität“ (54 Prozent) und „Innovation“ (31 Prozent). So beschreibt die Studie einen „über Jahrzehnte gewachsenen Markenbezug“ als äußerst fördernd. Kaum überraschend also, dass es hauptsächlich Ostdeutsche seien, die zu den Ostprodukten greifen.

Beim Absatz der DDR-Marken gäbe es nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Rotkäppchen ist mit über 17 Prozent zwar die bundesweit am häufigsten konsumierte Sektmarke: Während in Ostdeutschland allerdings rund 48 Prozent der Konsumenten in den letzten drei Monaten Sekt dieser Marke getrunken haben, waren dies im Westen nur 9,5 Prozent.

Produkte allerdings, die sich nicht weiterentwickelt haben, hätten einen klaren Nachteil gegenüber jenen, die auf Innovationen setzten. Niels N. von Haken, Geschäftsführer der MDR-Werbung, sagt: „Reine Bekanntheit hilft einer Marke auf Dauer nur wenig.“ Wer die Potenziale der Massenkommunikation nicht ausreichend nutze, habe eine schwere Zukunft vor sich.

Neben der anhaltenden Beliebtheit spielt auch das Trendbewusstsein eine Rolle. Spätestens seit der Ostalgiewelle gelten Produkte aus der Deutschen Demokratischen Republik als retroschick. Eine Reihe von Internetplattformen bietet ausschließlich alte und neue DDR-Produkte an. Auch der Handel gibt den Ostprodukten wieder mehr Raum in seinen Regalen. Einige Discounter werben ausschließlich mit einer Ostmarkenstrategie, heißt es in der Studie. Doch Autor Duncker warnt, die Unternehmen dürften sich nicht weitere 20 Jahre auf ihrer Bekanntheit und dem Vertrauen der Ostdeutschen ausruhen. Spätestens, wenn der Retrotrend aussetze, müsse noch mehr auf Qualität und Produktrelevanz gesetzt werden. sdw/AFP

Berlin/London - Banken in Großbritannien sollen für Boni an ihre Angestellten künftig eine Sondersteuer zahlen. Mit dem Geld wolle der Staat den Arbeitsmarkt wieder in Schwung bringen, sagte Finanzminister Alistair Darling am Mittwoch in London. Die Steuer, die zunächst nur bis zum April gelten wird, belaufe sich auf 50 Prozent der Prämien für Bankangestellte ab einer Summe von 25 000 Pfund – rund 27 500 Euro.

Trotz der Probleme des Finanzsektors glaubten auch heute noch viele Geldhäuser, dass es ihre „Hauptaufgabe ist, beträchtliche Boni an ihre Angestellten zu zahlen, die ohnehin schon überdurchschnittliche Gehälter bekommen“, sagte Darling. Deswegen habe er die Institute vor die Wahl gestellt: Entweder sie nutzten ihre Gewinne um ihr Kapital aufzubessern, oder er hole sich von den Instituten Geld zugunsten der Steuerzahler.

Die Bundesregierung wollte sich zu den britischen Plänen nicht äußern. Im Finanzministerium wies man lediglich darauf hin, dass in Deutschland Boni seit jeher besteuert werden – und zwar mit meist 45 Prozent. Außerdem machte die Bundesregierung darauf aufmerksam, dass die internationalen Vereinbarungen in Sachen Boni-Zahlungen in Deutschland zügig umgesetzt werden. Die Initiatoren der Initiative Finanzplatz Deutschland (IFD) unter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann trifft an diesem Donnerstag erstmals in Berlin mit Finanzminister Wolfgang Schäuble zusammen. Auch dabei wird es um die Zukunft von Managerboni gehen.

Der britische Staat verspreche sich durch die Sonderabgabe Einnahmen von bis zu 550 Millionen Pfund, sagte Finanzminister Darling. Der Brite präsentierte die Pläne für die Sonderabgabe zusammen mit den Grundzügen für den britischen Staatshaushalt der nächsten beiden Jahre. Er gab zu, dass die Krise und das Defizit tiefer seien als erwartet.

Über die Einführung der Sondersteuer für Banker-Boni war bereits in den vergangenen Tagen spekuliert worden. Die Finanzbranche hatte sich im Vorfeld heftig gegen die Abgabe gewehrt. Der Verband der Bankbeschäftigten warnte vor einem Abzug der Finanzbranche aus der Londoner City, die Banken befürchten nach eigenen Angaben den Verlust ihrer besten Mitarbeiter. asi/AFP

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