Wirtschaft : Das Leid der Vorzugsaktionäre

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Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die in Aussicht gestellte Umwandlung von stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Pro Sieben Sat 1 AG in stimmberechtigte Stammaktien begrüßt. „Grundsätzlich bevorzugen wir es, wenn sich ein Unternehmen für eine einheitliche Aktiengattung entscheidet“, sagt DSWSprecherin Petra Krüll. Bei einer eventuellen feindlichen Übernahme gebe es dann auch kein „Gezerre“ um unterschiedliche Angebote: Da ein Käufer meist nur an den stimmberechtigten Stammaktien interessiert ist, gibt er hierfür ein höheres Angebot ab. Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), verweist auf das Beispiel Wella. In den Genuss einer „Übernahmeprämie“ kämen dort nur die Stammaktionäre. Auch die SdK sieht die Vorzüge der Vorzugsaktien immer seltener. Eine höhere Dividende werde kaum noch gezahlt. Auch wenn in der Satzung den Vorzugsaktionären eine Nachzahlung der Dividende nach Jahren ohne Ausschüttung garantiert sei, ließe sich dies umgehen. Bei dem Berliner Unternehmen Herlitz war dies beispielsweise der Fall. Im Jahr 2000 beschloss die Hauptversammlung mit den Stimmen der Stammaktionäre, die Vorzüge in Stämme umzutauschen. Herlitz sparte so immerhin zehn Millionen Mark.

Und auch die letzte Absicherung für Vorzugsaktionäre hält nicht, was sie verspricht. Das Aktiengesetz sieht vor, dass Vorzugsaktien Stimmrechte erhalten, wenn zwei Jahre lang keine Dividende ausgeschüttet wurde. „Da zahlt dann manches Unternehmen lieber mal einen Cent pro Aktie“, sagt Keitel. Doch auch Stimmrechte zählen bisweilen wenig. Bei ProSiebenSat 1 beträgt der Free Float, die frei handelbaren Aktien, 36 Prozent. Kirch-Media wird also weiterhin die Mehrheit und damit das Sagen bei dem Fernsehsender besitzen. dr

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