Wirtschaft : Das Milliardenschnäppchen

Air Berlin kauft 85 Flugzeuge – und irritiert Anleger

Bernd Hops

Air Berlin kauft 85 Flugzeuge – und irritiert Anleger Berlin - Air Berlin will kräftig beim US-Flugzeughersteller Boeing einkaufen. Diese Nachricht machte viele Anleger nervös. Zusammen mit einer Bestellung der Air-Berlin-Tochter dba geht es um 85 Maschinen bei einem Listenpreis von gut 4,3 Milliarden Euro. Doch Experten gehen nicht davon aus, dass die Luftfahrtgesellschaft dadurch über Gebühr belastet wird. „Das Volumen erschreckt mich als Analyst nicht“, sagte Stefan Schöppner, Luftfahrtexperte der Dresdner Bank, dem Tagesspiegel. „Außerdem muss das Geld nicht sofort auf den Tisch gelegt werden.“

Auch Jürgen Pieper, Luftfahrtanalyst bei Metzler Equity Research, sagt, obwohl die Summe erst einmal sehr groß aussehe, sei die Finanzierungssituation „lange nicht dramatisch“. Im Gegenteil. Derzeit erhielten die Luftfahrtgesellschaften bei den Flugzeugbauern „so gute Konditionen, die man vielleicht in vier, fünf Jahren nicht mehr bekommt“, erklärt Pieper. Boeing gehe es gerade erst wieder gut, und Airbus habe mit Problemen zu kämpfen. Bei einer Erholung des Marktes sei es möglich, dass man eine heute günstig bestellte Maschine mit Gewinn schnell wieder verkaufen kann.

Bis zum Jahr 2014 sollen die Maschinen nach und nach geliefert werden. Das streckt die finanzielle Belastung. Außerdem ist bei einer Großbestellung ein Abschlag auf den Listenpreis fällig. Bei Air Berlin schätzt die Branche den Nachlass auf 20 bis gut 25 Prozent. Abgesehen davon sparen moderne Maschinen Treibstoff – und teilweise Flughafengebühren, weil sie immer leiser werden.

Das Wichtigste ist jedoch: Keine Fluggesellschaft bezahlt die bestellten Maschinen komplett selber – auch Air Berlin nicht. Zwar sagt Konzernsprecher Peter Hauptvogel, derzeit bevorzuge das Unternehmen, die Maschinen selber zu kaufen statt sie zu leasen, weil es bei den aktuellen Konditionen günstiger sei. Doch Air Berlin müsse nur einen Anteil von bis zu zehn Prozent als Eigenkapital investieren. Der Rest wird laut Hauptvogel über eine Hypothek auf das Flugzeug abgedeckt. „Es ist kein Problem, eine Finanzierung zu bekommen. Wir haben schon viele Offerten von Banken, die uns eine anbieten“, sagt er. Flugzeuge hätten einen hohen Wiederverkaufswert. Davon profitiert auch Air Berlin.

„Wir erneuern unsere Flotte alle sechs bis acht Jahre“, sagt Hauptvogel. In dem Alter sei ein Flugzeug noch gut 60 Prozent seines Beschaffungspreises wert. Möglich bleibt aber auch der Rückgriff auf Leasinggesellschaften. Welche Variante letztlich gewählt werde, das werde „kurz vor der Auslieferung“ der Maschinen entschieden, sagt Hauptvogel. Wie viele der bestellten Maschinen zur Erweiterung der Flotte eingesetzt werden, das mache Air Berlin von der Marktentwicklung abhängig, sagt der Air-Berlin-Sprecher.

Selbst wenn es nicht so gut läuft, besteht keine Gefahr, dass das Unternehmen auf den bestellten Maschinen sitzenbleibt. „Alle gehen davon aus, dass der Luftverkehr in den nächsten Jahr weltweit mindestens um fünf Prozent jährlich wächst“, sagt Hauptvogel. Und wenn sich der für Air Berlin wichtige Markt Europa schwächer als gedacht entwickle, gebe es auf jeden Fall starkes Wachstum in China. „Wir fliegen zwar nicht dahin, aber wir könnten Maschinen dort verkaufen.“ Auch Metzler-Analyst Pieper ist sich sicher: „Einen Flieger können Sie sofort wieder zu Geld machen.“

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