Wirtschaft : Das Modell WestLB ist gescheitert

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Von Daniel RheePiening

Ein Verlust von 1,7 Milliarden Euro bei der Westdeutschen Landesbank ist Jürgen Sengera zum Verhängnis geworden. Wenn die roten Zahlen eine solche Größenordnung erreichen, muss der Chef der größten deutschen Landesbank seinen Kopf hinhalten. Zuvor erzielte Erfolge zählen da nicht mehr.

Denn Erfolge kann der nicht immer diplomatische Sengera durchaus vorweisen. Als er im September 2001 sein Amt als Nachfolger des legendären Friedel Neuber antrat, war die WestLB fest im roten, sozialdemokratischen Klüngel des Landes an Rhein und Ruhr eingebunden. Die Westdeutsche Landesbank war vor allem eine politische Bank. Sengera versuchte, daraus eine Geschäftsbank zu machen. Sein erster und wichtigster Job war es, die Aufspaltung in eine öffentlich-rechtliche Landesbank und eine privatrechtliche WestLB AG in die Wege zu leiten. Und er musste die Kosten drastisch senken. Jeder zehnte Arbeitsplatz soll gestrichen werden. Damit hat er sich in einem Landesbetrieb keine Freunde gemacht.

Sengera wollte aus dem Umbau der staatseigenen WestLB in eine „normale“ Bank ein Modell für die anderen Landesbanken machen. Dazu gehört auch das verstärkte Engagement am internationalen Finanzplatz London. Doch die WestLB ist gescheitert. Die Sengera-Kritiker – die regionsverbundenen Sparkassen-Präsidenten – sehen sich bestätigt. Doch auch der Nachfolger muss die Privatisierung weiter vorantreiben. Sengeras Fall ist auch ein Desaster für die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Sie muss ihren Vorzeigebanker opfern – und weiß nicht einmal einen Nachfolger zu benennen.

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