Wirtschaft : Das Netz wird enger geknüpft

Vattenfall, Eon und EnBW kooperieren

Berlin - Drei der vier großen Stromversorger in Deutschland haben eine engere technische Zusammenarbeit beim Betrieb ihrer Stromnetze vereinbart. Die Netztöchter von Vattenfall Europe, Eon und EnBW wollen noch in diesem Jahr ein System einrichten, mit dem Netzschwankungen zwischen den einzelnen Versorgungsgebieten besser ausgeglichen werden sollen. „Dadurch können wir Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich einsparen, die den Verbrauchern relativ zeitnah zugutekommen sollten“, sagte Stefan Dohler, Chef des Netzbetreibers Vattenfall Europe Transmission, am Montag in Berlin.

Technisch geht es bei der Kooperation um die Beschaffung und Steuerung der sogenannten Regelleistung. Heute muss jeder Stromkonzern innerhalb seiner Versorgungszone (zum Beispiel Vattenfall für Ostdeutschland und Hamburg) Spannungsschwankungen, die etwa durch die Einspeisung der Windenergie entstehen, ausgleichen – indem er Strom hinzukauft. Da die Versorger dies unabhängig voneinander tun, kommt es zu dem Phänomen des „Gegeneinanderregelns“, wodurch Kosten entstehen. Durch die jetzt beschlossenen Synergien sollen bis zu 95 Prozent dieser Kosten eingespart werden, teilte Vattenfall mit.

Vattenfall-Netz-Chef Dohler drückte seinen Unmut darüber aus, dass der vierte große Versorger, die westdeutsche RWE, aus den eineinhalb Jahre dauernden Beratungen ausgestiegen war. „Mich ärgert, dass einer nicht mitmacht.“ Dann hätte man Einsparungen von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaften können. RWE habe während der Beratungen eine Führungsrolle beansprucht, die man nicht akzeptieren konnte, sagte Dohler. Dagegen habe es bereits erste Gespräche mit den Netzbetreibern in den Nachbarländern Schweiz und Polen gegeben.

Während Vattenfall, Eon und EnBW trotz technischer Kooperation weiter selbst die Verantwortung über ihre Regelzonen behalten wollen, habe sich RWE für eine große Regelzone für ganz Deutschland eingesetzt, hieß es. „RWE Transportnetz Strom unterstützt die Bundesnetzagentur bei der Ausgestaltung des Regelenergieeinsatzes und hat einen entsprechenden Vorschlag gemacht“, bestätigte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Vonseiten der Politik und der Regulierungsbehörde, der Bundesnetzagentur, war wiederholt die Einrichtung einer sogenannten Netz AG ins Gespräch gebracht worden, was zur Folge hätte, dass die vier Versorger sich künftig auf die Stromproduktion konzentrieren und den Betrieb der Netze ganz abgeben müssten. Der Regulierer verspricht sich davon mehr Wettbewerb und letztlich sinkende Strompreise für die Endkunden. kph

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