Wirtschaft : "Das neue Forum braucht Schlagkraft"

Nach dem Treffen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7) hat der Euro-Kurs am Montag deutlich nachgegeben.Die Minister einigten sich auf ein neues Forum für Kapitalmarktstabilität, das Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer vorgeschlagen hatte.Das Gremium soll die Entwicklungen an den Finanzmärkten analysieren, die Einhaltung von Transparenzregeln überwachen und Konzepte zur Krisenabwehr unterbreiten.Über das neue Forum und den Euro sprach Jobst-Hinrich Wiskow mit Michael Frenkel (44), Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz.



TAGESSPIEGEL: Macht Ihnen der schwache Euro Angst?

FRENKEL: Nein.Der Kursrutsch ist nur eine kurzfristige Marktbewegung, also nichts Ungewöhnliches.

TAGESSPIEGEL: Ist der Dollar nicht fester, weil die Amerikaner sich auf dem G-7-Treffen durchgesetzt haben?

FRENKEL: Sicher ist das die erste Reaktion der Märkte.Aber langfristig ist der Sieg der Amerikaner kein Grund gegen den Euro.Richtig ist, daß die Amerikaner nie eine große Organisation zur Kontrolle der Finanzmärkte haben wollten.

TAGESSPIEGEL: Zu Recht?

FRENKEL: Naja, wir haben schon sehr viele internationale Organisationen.Jede zusätzliche Bürokratie schwächt die Schlagkraft.Nach dem Tietmeyer-Vorschlag kommen in dem neuen Forum mehr als 30 Leute zusammen - aus den G-7-Staaten, von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Versicherungs- und der Wertpapieraufsicht.Klar ist: Je mehr Vertreter von Organisationen im Gremium sitzen, umso kleiner ist am Ende der gemeinsame Nenner.

TAGESSPIEGEL: Also ist das Forum von vorneherein eine Totgeburt?

FRENKEL: Jedenfalls braucht das Forum Schlagkraft.Die große Frage lautet: Wie kann es sich durchsetzen? Es wäre wichtig, das neue Gremium an den Internationalen Währungsfonds zu koppeln.Der hat Druckmittel parat, weil er Kredite ausbezahlt.

TAGESSPIEGEL: Wieso ist es eigentlich so schwierig, Standards für die Bankenaufsicht durchzusetzen?

FRENKEL: Weil es nicht die optimale Regelung gibt.Selbst in den Industriestaaten gibt es keine einheitlichen Regelungen.Und jetzt geht es darum, die Gesetze in noch mehr Staaten unter einen Hut zu bekommen.Das wird fast unmöglich.

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