Wirtschaft : "Das neue Kleid der Kapitalmärkte" - Carl Christian von Weizsäcker im Interview

Herr von Weizsäcker[brauchen wir ein Üb]

Carl Christian Von Weizsäcker ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln.

Herr von Weizsäcker, brauchen wir ein Übernahmegesetz?

Ja. Ein Übernahmegesetz ist so etwas wie das neue Kleid der Kapitalmärkte. Es soll den Anlegern mehr Sicherheit geben. In England reicht dazu eine Konvention. Hier zu Lande scheint ein Gesetz nötig zu sein.

Soll eine Barabfindung für Kleinaktionäre vorgeschrieben werden?

Auf gar keinen Fall. Damit würden reiche, liquide Unternehmen privilegiert, junge dynamische Firmen dagegen würden benachteiligt.

Die Befürworter einer Barabfindung argumentieren, Kleinaktionäre könnten bei einem Aktientausch nicht wissen, worauf sie sich einlassen... .

das ist das Risiko jedes Aktionärs. Zugleich profitieren die Aktionäre aber von der größeren Dynamik, die dadurch entsteht, dass Barabfindungen nicht zwingend vorgeschrieben werden.

Soll allen Aktionären derselbe Preis gezahlt werden, oder ist ein Aufschlag für institutionelle Anleger denkbar?

Der englische Übernahmekodex verbietet Preisdiskriminierung. Das hat sich bewährt. Wir sollten das übernehmen.

Kreise in der Regierung wollen bei Fusionen die Einführung der Mitbestimmung vorschreiben, sofern ein deutsches Unternehmen betroffen ist.

Davon halte ich gar nichts. Abgesehen davon, ob das rechtlich durchsetzbar wäre: Eine solche Hürde würde dazu führen, dass ausländische Investoren einen Bogen um Deutschland machen.

Eine ganze Reihe von Spitzenmanagern - etwa Porsche-Chef Wendelin Wiedeking - halten die derzeitige Fusionitis für eine vorübergehende, unglückliche Mode.

Diese skeptische Haltung kann man vertreten. Sie ist verbreitet. Aber: In einer freien Marktwirtschaft sind Aktionäre frei, mit ihrem Eigentum zu machen, was sie wollen. Ob eine Fusion sinnvoll ist und Bestand hat, müssen die Beteiligten wissen. Wenn es falsch war, werden sie es schon merken. Der Staat hat sich rauszuhalten. Das Gespräch führte Rainer Hank.

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