Wirtschaft : Das neue Modewort „Nachhaltigkeit“

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Im Krieg der Worte ist „Nachhaltigkeit“ ein todsicherer Gewinner. Wer könnte sich dieser Formulierung widersetzen? „Ich bin für nicht-nachhaltige Entwicklung“ erscheint ausgesprochen gefühllos. Selbst die Unternehmerlobby, die in der vergangenen Woche auf dem Nachhaltigkeits-Gipfel in Johannesburg anwesend war, sah das und marschierte unter dem Banner „Unternehmerische Initiative für nachhaltige Entwicklung“. Es sollte jedoch nicht überraschen, dass sich hinter der tollen Formulierung „nachhaltige Entwicklung“ eine eigenartige Annahme verbirgt. Nämlich die, dass „Entwicklung“ im Sinne von Wirtschaftswachstum gefährlich ist und uns alle in den Ruin treiben wird. Wenn jene cleveren Umweltschützer uns nicht vor uns selbst schützen – insbesondere vor unserem Streben nach einem besseren Lebensstandard. Wie wenig Interesse manche der Delegierten an einer offenen Diskussion des Prinzips Nachhaltigkeit hatten, zeigte sich am vergangenen Mittwoch, als US-Außenminister Colin Powell ausgebuht wurde – weil er versuchte, den US-amerikanischen Ansatz für Umweltprobleme und Wirtschaftswachstum darzulegen. Irgendwann sagte Powell, dass er, nachdem er sich die Ansichten der Protestierenden angehört hätte, sie bitten würde, nun auch die Sichtweise der USA anzuhören. Doch die andere Seite demonstrierte ihre übliche Reaktion auf konträre Ansichten und musste aus dem Saal gedrängt werden, damit die Rede fortgesetzt werden konnte. Bemerkenswerterweise jedoch triumphierten die Antiglobalisierungsrowdys, die Powells Auftritt störten, nicht. Armen Ländern wurde nicht aufgebürdet, ihre Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen – was sich selbst reiche Länder nicht leisten können – und in der Abschlusserklärung wurden bedeutende Konzessionen an die Rolle des Handels bei der Förderung von Wohlstand und Gesundheit gemacht. Bedauerlicherweise wurde wenig über eines der größten Hindernisse für Wachstum in den Entwicklungsländern, den landwirtschaftlichen Protektionismus der entwickelten Länder, gesagt. Und: Diejenigen, die eine internationale Umweltbürokratie entwickeln wollten, verließen Gott sei Dank frustriert den Gipfel. Denn dieser wertlose Aktionismus würde die Armen tatsächlich daran hindern, ihr Los zu verbessern.

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