Wirtschaft : Das Nordlicht beginnt langsam zu strahlen

NordLB rückt unter das Dach der Bankgesellschaft Berlin / Grunsatzeinigung erzielt / Start Anfang 1999 BERLIN (mo).Der Zusammenschluß von Bankgesellschaft Berlin und Norddeutscher Landesbank (NordLB) scheint unter Dach und Fach.Aller Voraussicht nach werden sich die beiden Institute zum 1.Januar 1999 zusammenschließen.Dabei wird die NordLB in die Bankgesellschaft Berlin eingegliedert, bleibt aber als selbständige Landesbank mit allen Rechten erhalten.Die "Klärung noch weiterer wesentlicher Sachfragen", damit sind betriebswirtschaftliche, organisatorische Fragen gemeint, soll bis zur Jahresmitte erzielt werden.Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing und ihr Amtskollege aus Hannover, Willi Waike, konnten sich am Mittwoch abend nach schwierigen Verhandlungen überraschenderweise auf eine gemeinsame Linie verständigen.Bei den Gesprächen waren auch die beiden Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rupf, von der Bankgesellschaft, und Manfred Bodin von der NordLB sowie der Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt dabei.Zwar muß die gefundene Lösung noch von den zuständigen Gremien, das heißt auch von den Ländern Berlin, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt und von den Vorständen abgesegnet werden, doch ist das offenbar nur noch eine Formalie.Von dem Zusammenschluß erwarten die Partner in einem überschaubaren Zeitraum eine Kosten-und Ertragsverbesserung in der Höhe von mindestens zehn Prozent der gegenwärtigen Gewinne.Nach den letzten Zahlen hat die Bankgesellschaft im vergangenen Jahr ein Konzernergebnis nach Risikovorsorge von etwa einer Milliarde erzielt.Durch den Zusammenschluß rückt das neue Institut, über dessen Namen noch keine Verständigung besteht, mit einer Bilanzsumme von dann rund 620 Mrd.DM auf Platz vier der deutschen Banken-Top-Ten.An den Börsen honorierte man den vorläufigen Verhandlungserfolg mit deutlicherer Nachfrage.Der Aktienkurs der Bankgesellschaft stieg um 3,60 DM auf 41,40 DM.Allerdings bleiben die Analysten skeptisch.Britt Graf von Banque Nationale de Paris weist zurecht auf das Mißverhältnis von Verwaltungsaufwand und Einsparpotential hin.Drei Milliarden stehen hier nur 100 Mill.DM gegenüber.Was nicht als überzeugendes Kaufargument interpretiert werden kann.Seit mehreren Jahren wurde in Berlin und Hannover an den Plänen gearbeitet, seit einem knappen Jahr laufen die Verhandlungen.Ursprünglich sollte das Konzept bereits zum Jahreswechsel stehen, auf alle Fälle aber vor den Niedersachsen-Wahlen bekanntgegeben werden.Regelmäßig kam Widerstand aus den Reihen der Sparkassen, deren Vertreter insbesondere aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sich nicht nur mangelhaft informiert fühlten, sondern auch um ihre zukünftige Mitsprache in einem erweiterten Konzernverbund fürchteten.Im übrigen aber haben vor allem steuerrechtliche Fragen das Fusionsvorhaben immer wieder verzögert.Dabei erwies es sich als ausgesprochen schwierig, zwei Institute mit unterschiedlichem öffentlich-rechtlichen Status zu verbinden.Vor allem wollte man aber vermeiden, daß durch die Hebung stiller Reserven ein allzugroßer Betrag an den Fiskus hätte abgeführt werden müssen.Aus diesem Grund nahm man im Verlauf der Verhandlungen auch davon Abstand genommen, den Zusammenschluß nach dem sogenannten Berliner Modell durchzuführen.In Anlehnung an die Zusammenführung von Landesbank Berlin und Berliner Bank AG unter dem Dach der privatrechtlichen Bankgesellschaft Berlin vor gut vier Jahren hätte die Einbringung der Norddeutschen Landesbank theoretisch auch als atypische stille Gesellschaft erfolgen können, was allerdings die Gewährsträger der NordLB erhebliche Körperschaftssteuern gekostet hätte.Die Rede war von zwei Mrd.DM.Andererseits befürchteten auch die niedersächsischen Kommunen nach einer Fusion niedrigere Gewerbesteuereinnahmen zu erhalten.Im Detail ist nun vorgsehen, die Norddeutsche Landesbank im Rahmen einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage das gesamte Stammkapital der Norddeutschen Landesbank gegen die Ausgabe von 125 Mill.Stück junger Aktien und Zahlung von 1,3 Mrd.DM an die Gewährsträger der NordLB übernehmen.Die direkt und indirekt von der NordLB an die Sparkassengesellschaft DEKA und der Deutschen Girozentrale gehaltenen Anteile seien wirtschaftlich nicht Gegenstand der Sacheinlange.Wie die Bankgesellschaft Berlin mitteilte, sei ferner beabsichtigt, sämtliche künftigen Gewinnansprüche des Landes Berlin gegenüber der Landesbank Berlin gegen Zahlung von 1,5 Mrd.DM zu erwerben.Noch Ende letzten Jahres hieß es, das Land, mit 56,8 Prozent bislang größter Aktionär der Bankgesellschaft, wolle die restlichen 24,99 Prozent des Landes an der Landesbank übernehmen.Davon ist nun nicht mehr die Rede.Das Land Berlin wird vielmehr die direkte Beteiligung an der Landesbank behalten, damit sich an der bestehenden Gewährsträgerhaftung für das öffentlich-rechtliche Institut nichts ändert.Diese Gewährsträgerhaftung sichert der gesamten Bank im übrigen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.Denn das Land ist bei allen Transaktionen letztendlich mit im Boot und muß auch im Falle des Falles mit eigenen, sprich Haushaltsmitteln, in die Bresche springen.Die Bankgesellschaft Berlin trat 1994 an.Als Holding kontrolliert sie die Landesbank Berlin mit ihren Sprkassen, die Berliner Bank und die Berlin Hyp.Aktionäre sind das Land, die Gothaer Versicherung und freie Aktionäre.Auch die NordLB gehört im wesentlichen dem Land (vgl Graphik).

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