Das Orakel um das Geld des Staates : Steuerschätzer lagen schon oft daneben

Wahrsagen war schon immer ein schwieriges Geschäft. Das weiß wohl kaum jemand besser als der erlauchte Kreis der Steuerschätzer, der seit Dienstag an der neuesten Prognose für die Einnahmen von Bund, Ländern und Kommunen in diesem und im kommenden Jahr rechnet.

Düsseldorf Rund 40 Finanzexperten wollen bis Donnerstag auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Doch wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, lagen die Vorhersagen seit der ersten Schätzung 1955 oft genug daneben.

So berechnete man 2003 rund 32 Milliarden Euro mehr, als tatsächlich in die Staatskasse floss, 2006 dagegen fast 23 Milliarden Euro zu wenig. Doch die Schuld an den wenig treffsicheren Prognosen trifft wohl selten die Schätzer selbst. Denn die Auguren sagen die Einkünfte mit Blick auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung voraus, wie sie die Bundesregierung in ihrer Wachstumsprognose veröffentlicht. Mit anderen Worten: Täuscht sich die Regierung bei dieser Vorhersage, liegen auch die geschätzten Staatseinnahmen daneben. Deshalb diskutiert der Schätzerkreis stets zunächst ausgiebig die Konjunktur. Danach ermitteln sie die richtigen Folgen für die rund 30 Einzelsteuern. Von A wie Alkopop bis Z wie Zweitwohnung.

In der Vergangenheit malten die Regierenden oft ein zu positives Bild der Zukunft. Besonders von Hans Eichel (SPD) heißt es, er habe als Finanzminister allzu optimistische Vorgaben gemacht. In der Folge mussten die Steuerschätzer ihre Prognosen immer wieder nach unten korrigieren und Eichel immer neue Haushaltslöcher stopfen. 2004 etwa rechnete der Minister mit fünf Milliarden Euro Mehreinnahmen durch die Amnestie für Steuerflüchtlinge. Tatsächlich flossen 900 Millionen. dcl

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