Wirtschaft : "Das Ortsnetz ist der Schlüssel" - Interview mit Wernhard Möschel

Der Telekommunikationsmarkt muss weiter reguliert

Wernhard Möschel ist Vorsitzender der Monopolkommission. Mit ihm sprach Corinna Visser.

Der Telekommunikationsmarkt muss weiter reguliert werden Herr Möschel, noch herrscht kein funktionsfähiger Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt. Woran liegt das?

Im Ortsnetz ist der Wettbewerb noch in hohem Maße unbefriedigend. Hier ist die Deutsche Telekom unangefochtener Monopolist. Bei den Fern- und Auslandsgesprächen sieht es etwas anders aus. Der Anteil der Wettbewerber ist bereits auf 25 Prozent des Umsatzes und 35 Prozent der Gesprächsminuten gestiegen. Aber wenn man genauer hinschaut, gehen auch in diesem Bereich 90 Prozent der Erlöse mittelbar an die Telekom, weil der Verkehr über ihre Leitungen abgewickelt wird und sie für einige Konkurrenten das Inkasso betreibt. Ohne eine spezifische Regulierung, ist der Wettbewerb nicht überlebensfähig.

Was muss sich ändern, damit der Wettbewerb funktioniert?

Der Schlüsselbereich ist das Ortsnetz. Erst wenn wir hier flächendeckend eine große Zahl alternativer Anbieter haben, kann sich der Wettbewerb stabilisieren.

Der Mietpreis, den die Mitbewerber an die Telekom für die Anschlussleitungen zum Teilnehmer zahlen müssen, ist zu hoch ...

die jetzige Regelung ist berfristet. Im kommenden Jahr wird neu entschieden. Es ist gut möglich, dass die Preise dann sinken.

Die Telekom beklagt, im internationalen Wettbewerb durch die einseitige Regulierung benachteiligt zu sein, während ausländische Konkurrenten hier glänzende Bedingungen vorfänden. Schwächt die Regulierung die Konkurrenzfähigkeit der Telekom?

Die Regulierungsbehörde hat uns versichert, dass es keinen Fall gibt, der diese Behauptung stützen könnte. Außerdem ist das auch konzeptionell ein falsches Argument. Das hieße ja, die Telekom auf ihrem Heimatmarkt zu protegieren, damit sie hier die Verbraucher ungehemmt ausnehmen kann, um ihr Auslandsgeschäft zu finanzieren. Außerdem kann ein Unternehmen nur international wettbewerbsfähig werden, wenn es auch in einem Wettbewerbsumfeld agiert.

Warum reicht es nicht, dass das Kartellamt über den Markt wacht? Warum muss es dafür eine eigene Regulierungsbehörde geben?

Die Regulierungsbehörde kann früher eingreifen. Wer kartellrechtlich gegen ein marktbeherrschendes Unternehmen vorgehen will, muss den langen Weg über die Gerichte nehmen. Unter Umständen ist ein junger Wettbewerber schon vom Markt, bis die Entscheidung endlich fällt.

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Die Gerichte und der Gesetzgeber. Wir geben nur Empfehlungen. Und im Moment lautet sie, dass es keinen Anlass gibt, etwas an der Regulierung zu ändern.

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