Wirtschaft : Das Personalkarussell dreht sich nicht nur bei der Bahn

BERLIN (jhw).Wenn die Bundesregierung wechselt, fängt das große Stühlerücken an.In Bundesbehörden und bundeseigenen Unternehmen dreht sich das Personalkarussell - nicht nur bei der Deutschen Bahn AG.Das Kabinett sucht sich genehme Manager aus, die die Posten der Getreuen der Vorgängerregierung ersetzen sollen.

Besonders in die Kritik ist Klaus-Dieter Scheurle geraten.Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat die ersten Wochen der Regierung Gerhard Schröder zwar heil überstanden.Aber die Gerüchte, er werde bald gehen, halten sich hartnäckig.Immerhin ist Scheurle ein Mann, der auf dem CSU-Ticket ins Amt gekommen ist - als Ausgleich dafür, daß die bayerische Partei seinerzeit das Postministerium abgeben mußte.Da erscheint es vielen als selbstverständlich, den Posten nun einem Sozialdemokraten zu überlassen.Ein Kandidat wäre Arne Börnsen, der Vizepräsident ist, seit die Behörde ihre Arbeit aufnahm.Äußern wollte er sich am Freitag nicht - weder zu seiner Personalie noch zu denen, die Unternehmen betreffen, die er reguliert.

Im Brennpunkt stehen mit Ron Sommer und Dieter Boening zwei der drei Vorstandschefs von ehemaligen Post-Unternehmen: der Deutschen Telekom AG und der Postbank AG.Dagegen ist Klaus Zumwinkel von der Deutschen Post AG trotz neuer Regierung offenbar wenig umstritten.Seine größten Widersacher hatte er in der FDP, die sich sogar schon einen geeigneten Nachfolger aus den eigenen Reihen ausgeguckt hatte.Aber der Regierungswechsel machte die Absicht der Liberalen zunichte.

Telekom-Chef Sommer erhielt zunächst noch eine Bewährungsfrist.Der Vertrag des früheren Sony-Deutschland-Bosses läuft ohnehin im Mai 2000 aus.Bis dahin bekommt er freilich unliebsame Kontrolleure im Aufsichtsrat.Helmut Sihler, der das Unternehmen seit dem Börsengang als Vorsitzender des Gremiums begleitete, gilt als Vertrauter von Helmut Kohl und soll gehen.

Postbank-Chef Boening könnte sich schon auf seine baldige Ablösung einrichten.Der Regierungswechsel bietet seinen Kritikern, die dem Vernehmen nach nicht nur bei SPD und Grünen zu finden sind, die Gelegenheit zum Abschiednehmen.

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