• Das Preisklima und die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bleiben freundlich

Wirtschaft : Das Preisklima und die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bleiben freundlich

Zwar wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 1999 real nur mäßig. Nach Einschätzung der Bundesregierung dürften sich die konjunkturellen Auftriebskräfte aber bald durchsetzen. Auch die Europäische Zentralbank betonte am Donnerstag, sie sehe gute Anzeichen für ein nachhaltiges Wachstum in der Euro-Zone. Das Wachstum werde voraussichtlich "etwas über den im April geschätzten zwei Prozent liegen", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg nach einer Sitzung des Zentralbankrates in Frankfurt. Das gleiche gelte für das Wachstum im Jahr 2000, das man im April noch auf 2,25 bis 2,5 Prozent taxiert habe.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, blieb das deutsche BIP im zweiten Vierteljahr gemessen am Vorquartal saisonbereinigt unverändert. Im Vergleich zum zweiten Quartal 1998 ergab sich ein realer Zuwachs von 1,0 Prozent, in den ersten beiden Quartalen zusammengerechnet ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 1998. Der Statistik zufolge belastete die schwache Exportkonjunktur in Deutschland das Wirtschaftswachstum. Während Konsum und Investitionen zusammen im zweiten Quartal 1999 um real zwei Prozent zulegten, ging der Außenbeitrag laut Bundesamt erneut zurück: Die Importe nahmen mit 4,5 Prozent stärker zu als die Exporte mit einem Zuwachs von nur einem Prozent.

Mit Blick auf das kommende Jahr sehen die Volkswirte der Deutschen Bank "Anlass zu bemerkenswertem Optimismus" und erwarten einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,0 Prozent. Analysten, die der Entwicklung von Quartal zu Quartal die größte Aussagekraft beimessen, werteten die jüngsten Wiesbadener Zahlen als Stagnation, erwarteten aber ebenfalls ein bald beschleunigtes Wirtschaftswachstum. "Das zweite Quartal ist eine Zäsur", urteilte Eckhard Schulte von der japanischen Bank IBJ in Frankfurt am Main. Die Zahlen seien "schlecht", dennoch sei für das dritte Quartal rund ein Prozent Wachstum gegenüber dem Vorquartal zu erwarten.

Die Teuerung in Deutschland ist vor allem wegen des Preiskampfes auf dem Telefonmarkt sowie günstigen Lebensmitteln niedrig geblieben. Laut Statistischem Bundesamt stieg trotz der drastischen Preiserhöhungen bei Heizöl und Kraftstoffen die jährliche Inflationsrate im August lediglich auf 0,7 Prozent nach 0,6 Prozent im Vormonat. Im kurzfristigen Vergleich von Juli auf August gingen die Preise für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte sogar um 0,1 Prozent zurück. Für die alten Bundesländer ermittelten die Statistiker eine Jahresrate von 0,8 Prozent. In Ostdeutschland stiegen die Verbraucherpreise dagegen durchschnittlich nur um 0,3 Prozent. Diese Differenz erklärt sich vor allem mit den gestiegenen Heizölkosten, die zwar die Geldbeutel der Verbraucher im Westen stark belasten, im Osten dagegen weniger ins Gewicht fallen. Allein von Juli auf August verteuerte sich leichtes Heizöl noch einmal um 2,7 Prozent. Damit liegt der Heizölpreis inzwischen um ein Drittel über dem Niveau vom Vorjahr. Auch die Kraftstoffpreise zogen binnen Monatsfrist um 2,4 Prozent an und sind nun 11,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Das dennoch milde Preisklima hängt mit rückläufigen Preisen für saisonabhängige Lebensmittel zusammen. Für Gemüse musste binnen Jahresfrist 3,3 Prozent, für Obst 3,7 Prozent weniger bezahlt werden. Kaffee kostete sogar zwölf Prozent weniger. "Die Preise für Telekommunikationsleistungen gehen bereits seit März 1999 kontinuierlich zurück", berichten die Statistiker. "Sie lagen im August um 12,6 Prozent unter denen von August 1998."

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