Wirtschaft : Das Rätselraten in Berlin und Brandenburg hält noch an

BERLIN / DRESDEN (mo/Sch).Inwieweit der jetzt im Südwesten gefundene Tarifkompromiß auch im Westteil Berlins und in Brandenburg übernommen wird, ist noch unklar.Das liegt vor allem daran, daß Gesamtmetall dem Abschluß keine Pilotfunktion zubilligt und von einer Übernahme in anderen Tarifgebieten abrät.Klarer wird man erst in den nächsten Tagen sehen, wenn die regionalen Tarifverhandlungen für Berlin und Brandenburg zwischen dem Verband der Metall- und Elektroindustrie für Berlin und Brandenburg (VME) und der IG Metall Bezirksleitung Berlin beginnen.

Bisher liegen den Mitgliedern des VME in West-Berlin noch keine Empfehlungen des Arbeitgeberverbandes vor.Hartmann Kleiner vom VME sieht in dem Tarifabschluß aus dem Südwesten jedoch eine "erhebliche Kostenbelastung, die die Erwartungen auf mehr Beschäftigung deutlich dämpft." Allerdings folge man mit der Einmalzahlung dem guten Beispiel anderer, weil so die Basis für weitere Tariferhöhungen nicht erweitert werde.Auch für das Tarifgebiet Ost-Berlin und Brandenburg, das sich gemäß einer grundsätzlichen Vereinbarung zwischen IG Metall und Gesamtmetall an den Abschlüssen im Westen orientieren soll, heißt es also noch abwarten.

Rätselraten auch in den Betrieben.So weiß auch Ralf Steckert, zweiter Betriebsratsvorsitzender bei Schindler und Mitglied der Tarifkommission, noch nicht, wie es weitergeht.Auch DeTeWe-Sprecher Horst Rödiger tappt noch im Dunkeln: "Uns liegt noch keine Beschlußlage zu einer formellen Übernahme vor".Dagegen macht der Betriebschef vom Spandauer BMW-Werk, Rainer Knirsch, Druck: "Wir wären empört, wenn der Abschluß in Südwest nicht in unserem Tarifgebiet übernommen würde." Knirsch glaubt zwar, daß "die 3,2 Prozent im Prinzip feststehen." Probleme sieht er aber bei der Übernahme von Einmalzahlungen.Es bleibe freilich noch Zeit, in den nächsten Tagen zu akzeptablen Vereinbarungen zu kommen, betonte er.Im BMW-Werk in Spandau sind von den rund 1900 Mitarbeitern etwa 1000 Metaller.Bereits vor kurzem hatten die BMW-Beschäftigten ihre Streikbereitschaft mit einem zweistündigen Warnstreik dokumentiert, genauso wie die Kollegen von DaimlerChrysler in Marienfelde.Dort, wo die Motoren für den Smart gebaut werden und der Organisationsgrad der 3000 Mitarbeiter mit rund 70 Prozent relativ hoch ist, geht man auch davon aus, daß der Südwest-Abschluß selbstverständlich von den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Westteil Berlins übernommen wird.Betriebsrat Rainer Bartel: "Im Moment läuft aber auch der Antrag auf Urabstimmung." Die Vorsitzende des Betriebsrates von Daimler-Benz in Ludwigsfelde, Gudrun Krüger, ist mit dem Schlichterspruch zufrieden.Das Volumen sei ordentlich, und man sei erleichtert, daß die Einführung einer ertragsabhängigen Komponente abgewendet worden sei."Insgesamt ist es das, was wir uns erhofft haben", sagt Krüger.Auch wenn die genaue Umsetzung in Ostdeutschland erst noch verhandelt werden müsse, erwarte sie, daß die Übernahmevereinbarung eingehalten werde.Ihr Kollege von Adtranz Hennigsdorf, Karl-Heinz Graffenberger, ist da weniger zuversichtlich.Er sieht bei den Arbeitgeberverbänden das Bestreben, den Schlichterspruch nicht zu übernehmen, sondern die tariflichen Verhandlungen in die Betriebe zu verlagern.Dann drohten neue Auseinandersetzungen, da die Kollegen in seinem Betrieb schon den Südwest-Abschluß für enttäuschend hielten.

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